Das Hauptgewicht der politischen Vorgänge lag in dieser Woche im asiatischen Raum. Der Senat der Vereinigten Staaten hat den Friedensvertrag mit Japan noch nicht ratifiziert, obwohl davon das Inkrafttreten der mit dem Vertrag in Zusammenhang stehenden Abkommen abhängt. Nachdem das japanisch-amerikanische Abkommen über die Stationierung amerikanischer Truppen in Japan abgeschlossen wurde, wartet man jetzt in Washington anscheinend noch auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Japan und der nationalchinesischen Regierung auf Formosa. Tschiang Kai Schek will den Vertrag im Namen von ganz China abschließen, nach japanischer Auffassung soll er jedoch nur die von Tschiang beherrschten Gebiete betreffen.

Im Gegensatz zu Indonesien und Burma, die in der Annahme amerikanischer Hilfe ein Abgehen von einer strikten Neutralitätspolitik sehen, erklärte Nehru, daß die indische Regierung die an die Gewährung der Hilf? geknüpften Bedingungen annehmen werde. Die hierdurch erneut bestätigte Annäherung Indiens an Washington scheint auf die Wahlerfolge der Kommunisten zurückzuführen zu sein, die im „Haus des Volkes“ mit ihren 27 Abgeordneten nunmehr die stärkste Oppositionsgruppe bilden.

Erfolgreich war die Reise Eisenhowers im Nahen Osten, als ein Symbol der Zugehörigkeit der Türkei und Griechenlands zur westlichen Verteidigung-Gemeinschaft. Auf der Rückreise ließ sich Eisenhower in Neapel vom NATO-Oberbefehlshaber in Südeuropa, Admiral Robert Carney, über die großen alliierten Flottenmanöver im Mittelmeer berichten, die mit einer unverkennbaren Warnung an den von den Russen zu einem U-Boot-Stützpunkt ausgebauten albanischen Hafen Valona abschlössen.

Der westlichen Bündnispolitik im Nahen Osten könnte auf längere Sicht auch die Reise zugute kommen, die der spanische Außenminister Arcajo noch in diesem Monat zum Besuch aller arabischen Staaten unternehmen wird. Arcajo beabsichtigt den Abschluß von Handels- und Freundschaftsverträgen. Seine Reise liegt auf der Linie der Politik Francos, die Spanien die Vermittlerrolle zwischen den Westmächten und den islamischen Ländern sichern möchte. Einen Rückschlag dagegen hat die antikommunistische Politik in Washington selbst erlitten. Das Repräsentantenhaus hat die Gesetzesvorlage über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht an die Kommission für Wehrmachtsangelegenheiten zurückverwiesen. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht darf daher in diesem Jahre wohl nicht mehr gerechnet werden.

Gleichzeitig hat in England die Opposition der Bevanisten, die gegen die Zusammenarbeit mit Amerika auftreten, in der Verteidigungsdebatte des Unterhauses zu einem Eklat geführt. Das Verteidigungsprogramm, das noch die Regierung Attlee aufgestellt hatte, wurde, nachdem die Regierung Churchill die Durchführung auf einen Zeitraum von vier Jahren verlängert hatte, mit überraschender Mehrheit angenommen. Die Bevanisten, 57 Abgeordnete des linken Flügels der Arbeiterpartei, enthielten sich bei dem Mißtrauensantrag Attlees der Stimme. Diese Rebellion ist Gegenstand schwerwiegender Entscheidungen der Fraktion und des Exekutivausschusses der Partei, der noch in dieser Woche zusammentreten wird.

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Die französische Nationalversammlung bestätigte mit Hilfe von 27 RPF-Abgeordneten, die den Weisungen de Gaulles nicht folgten, den bisherigen Transportminister Antoine Pinay als Ministerpräsidenten. Dem neuen Kabinett, das noch der Zustimmung des Parlaments bedarf, gehört allen Anfeindungen zum Trotz Robert Schuman als Außenminister an. Die neue französische Regierung wird die deutliche Warnung Tom Connallys, des Vorsitzenden des US-Senatskomitees für auswärtige Angelegenheiten, beherzigen müssen; der erklärte, wirtschaftliche und Rüstungshilfe für Frankreich seien nicht zu rechtfertigen, wenn Frankreich nicht willens sei, für seine Verteidigung selbst sein Bestes zu tun.