Friedrich Griese: Der Zug der großen Vögel. Roman (Verlag Otto Erich Kleine, Braunschweig. 434 S., Leinen 9,80 DM).

Friedrich Griese ist der Dichter des Mecklenburger Landes, seiner Wälder, seiner Seen. Er hat in seiner Heimat immer die Urlandschaft gesehen mit der natürlichen Ordnung ihrer Gewalten, in die der Mensch eingriff, als er die Wälder rodete und den Boden urbar machte. Der Bauer prägt der Natur die Gestalten seines Willens auf und die Natur vergilt ihm, indem sie die Bilder seiner Taten, der guten wie der bösen, bis in die spätesten Geschlechter weitergibt. In Grieses neuem Roman, dem ersten seit seiner Vertreibung aus Mecklenburg 1945, wird in einem Bogen über Jahrhunderte das Fazit gezogen: die Bluttat des ersten Siedlers in dem unberührten Tal lebt wieder auf in allen Nachfahren. Das Leben dieser Bauern, steht unter einem Verhängnis, das die nordische Variante der antiken Schicksalsfurcht ist. Die Verwandtschaft Grieses zu Barlach, die schon öfter bemerkt wurde, ist in diesem reifen Werk des Dichters besonders deutlich zu spüren. Wie Barlach gibt Griese keine psychologischen und Milieuschilderungen, sondern drängt symbolische Geschehnisse auf kleinen Raum. „Ging das alles einmal in ein Dorf hinein, in eine einzige kleine Gemeinde? Es ging, es ist das Leben, und es hat keine bessere Stätte als die Erde mit dem Wald, der Zeit hat und warten kann.“ Wie in Barlachs Dichtungen, ist auch hier bei Griese die eine Figur (des Hermann Beerenbrook) die des Mannes, mit dem immer alles beginnt, und der in allen Generationen derselbe ist. E. V.