Die tschechoslowakische Zeitung „Mlada Fronta“ richtete schwere Vorwürfe wegen schlechter und fehlerhafter Fertigung und ungenügender Sollerfüllung gegen das Prager Zweigwerk des Skoda-Konzerns. Das Blatt behauptet, die „Ausschußproduktion“ des Skoda-Werkes, das Maschinen für die UdSSR herstellt, habe die CSR 1951 um 27 Mill. Kr. (2,3 Mill. DM) geschädigt. In diesem Zusammenhang dürfte nachstehender Bericht unseres Prager Korrespondenten interessieren.

B. Prag, im März

Man kann ohne Zweifel Kaufleute durch Beamte ersetzen. Das hat man in der zweiten Etappe der Verstaatlichung in der CSR dann auch getan. Nur kümmert sich anschließend der Staatsbeauftragte nicht mehr um die Wünsche der Kunden, sondern verkauft, was man ihm zuweist. Die Folge ist ein Erstarren der Produktion, zumal man am Kunden vorbei-rationalisierte. Aber an Stelle der entlassenen Kaufleute mußte man schnell sehr viel Kontrolleure einsetzen. Dabei gewann schließlich nur die Bürokratie...

Mit diesen Erfahrungen befaßte sich eine Konferenz in Prag, zu der die Direktoren der verstaatlichten Handelsunternehmen befohlen worden waren. Der Minister für Binnenhandel beanstandete den Bürokratismus in der Verteilung. Und mit der Kontrolle, so breit und tief sie auch ist, zeigte er sich ebenfalls nicht zufrieden: Die Kontrolleure sollen nicht nur Fehler suchen, sondern zusätzlich die Geschäftsführung „beurteilen“. Es genügt offensichtlich nicht, daß ein Ladenverwalter kein Dieb ist und seinen Betrieb in Ordnung hält.

Es verderben zuviel Waren, sagte der Minister. Warum soll aber der „Ladenbeauftragte“ sorgenvoll – vorsichtig disponieren, wenn die Fehler doch auf Rechnung des Staates gehen? Im übrigen müssen die Verteiler, müssen die tschechischen Ersatzkaufleute auch für Versager in der Produktion und in der Planung herhalten. Da ist die ergötzliche Geschichte mit den Sieben. Von den Wirtschaftsplanern war der Bedarf an Drahtsieben sinnlos überschätzt worden, und ausgerechnet die Siebfabriken hatten ihr Soll übererfüllt. Die Folge: jedem Geschäft wurden Drahtsiebe für den Bedarf mehrerer Jahre zugewiesen, die weder im Laden hoch beim Verbraucher unterzubringen waren. Durch Retourware aber macht sich auch in der CSR ein Ladenchef bei den übergeordneten Stellen mehr als nur unbeliebt ...

Selten wird eine demonstrative Beanstandung gewagt. Eine Frauendelegation ist einmal bis zum Staatspräsidenten vorgedrungen, um sich über die schlechte Qualität und unzureichende Auswahl von Textilwaren zu beschweren. Als Trost wurde ihr gesagt, daß der Verbraucher eben gewisse rückständige Gewohnheiten überwinden müsse.

Die Prager Konferenz hat sich in manche Widersprüche verstrickt. Man warf der Verteilung vor, daß sie das Dorf vernachlässige, aber gleichzeitig auch, daß sie dem Wachsen einiger Industriezentralen nicht Rechnung trage. Es wurde gerügt, daß Kundenwünsche nicht an die Produktion weitergegeben werden und gleichzeitig beanstandet, daß viele Läden ein zu breites Sortiment verlangen. In propagandistischer Einigkeit wurde schließlich das Wirken der ehemals selbständigen Kaufleute getadelt, von denen viele heute noch als Sekretäre in den Geschäften tätig seien; die ihnen früher gehörten.