In der außenpolitischen Debatte des schwedischen Reichstags kam der Konservative Jarl Hjalmarson auf die strategische Bedeutung der dänischen Insel Bornholm zu sprechen. Die schwedische Regierung müsse alles tun, sagte er, damit Bornholm den gemeinsamen militärischen Interessen dienstbar gemacht werde.

Die Rede Hjalmarsons machte deutlich, welche Bedeutung Schweden der Insel Bornholm beimißt. Würde Bornholm in die Machtsphäre eines nichtskandinavischen Staates gelangen, dann wäre es ein Leichtes, die Ostsee zu sperren. Bornholm im Besitz einer feindlichen Macht würde dieser gestatten, vom Süden her gegen die schwedische Halbinsel Skaane vorzustoßen und die Invasion nach dem schwedischen Festland vorzutragen. Die luftstrategische Bedeutung Bornholms als Basis für weit vorgeschobene Jäger und für die Stationierung von V-Waffen liegt auf der Hand. Auf der anderen Seite kann Bornholm, das jetzt ein relativ schwaches Verteidigungssystem besitzt, militärisch ein ungeheures Gewicht gewinnen, wenn man diese Verteidigung im großen Maßstab ausbaut.

Sowohl die Debatte über Bornholm als auch die vorhergegangene Diskussion über die Freizügigkeit der sowjetischen Diplomaten in Schweden, die in einem starken Mißverhältnis zu den persönlichen Beschränkungen steht, welchen schwedischen Diplomaten in Moskau unterworfen sind, lassen deutlich erkennen, daß Schweden nolens volens selbst in den ideologischen Konflikt zwischen Ost und West bereits einbezogen worden ist. Mit einer Deutlichkeit, die in Moskau nicht überhört werden konnte, zeigte sich, auf welcher Seite Schweden in diesem Konflikt steht. Zwar kann man nicht erwarten, daß Schweden im Augenblick eine militärische Zusammenarbeit mit Dänemark und Norwegen einleiten wird. Aber es ist kein Zweifel, daß die Diskussion über Bornholm, der zunächst nur Gefühlswert beizumessen ist, den Kreisen in Schweden Auftrieb verschaffen kann, die sich für den Anschluß an den Atlantikpakt einsetzen. Tgn.