Kleiden sich die Männer von Jahr zu Jahr schlechter?-Das könnte man vermuten, wenn man den Bericht des Dozenten Nerlove von der Universität Chikago liest. Mr. Nerlove sprach auf einem Kongreß von 3000 amerikanischen Konfektionären, die so erfuhren, daß in Amerika vom disponiblen Volkseinkommen (nach Abzug der Steuern) im Jahre 1929 noch 1,6 v. H., in den Jahren 1946 bis 1948 im Durchschnitt 1,4 v. H., gegen Ende 1951 aber nur noch 1,0 v. H. für Männerbekleidung und was dazugehört, ausgegeben wurden;

Dennoch sind die amerikanischen Männer eigentlich nicht schlechter gekleidet als 1929, denn seit damals ist das gesamte Volkseinkommen, selbst wenn man das Absinken der Kaufkraft des Dollars berücksichtigt, erheblich gestiegen. Das eine Prozent also, das 1951 noch für Männerkleidung ausgegeben wurde, war demnach absolut viel mehr als die 1,6 v. H. im Jahre 1929. Immerhin hat es für die Produzenten der Herrenkleidung etwas Beunruhigendes, daß ihr Anteil an der Produktion des Landes fortwährend zurückgeht. Sie führen den Rückgang besonders darauf zurück, daß der Mittelstand, also gerade die Menschengruppe, die auf Kleidung hält, auch in Amerika immer mehr ins Hintertreffen gerät. Von dem steigenden Volkseinkommen haben nämlich infolge der energischen Haltung der Gewerkschaften in erster Linie die Arbeiter und infolge der Agrarsubventionspolitik der Regierung in zweiter Linie die Farmer profitiert, nicht aber die „Mittelständler“, auf deren Kosten sich dieser Prozeß vollzogen hat. Arbeiter und Farmer aber sind nicht so gute Kunden für die Produktion von Herrenbekleidung wie ehemals der Mittelstand.

Einer der Redner, die in der sehr lebhaften Diskussion sprachen, führte den Rückgang auf ein Schwinden des Interesses an guter Kleidung zurück, das überall zu bemerken sei. Viele Männer legten ihr Geld lieber auf ein Sparkonto oder gäben es für technische Dinge aus, als sich anständig anzuziehen, sagte er. Dazu komme, daß infolge des Steigens der Lebensmittelpreise der Teil des „Konsumentendollars“, der für Anschaffungen zur Verfügung stehe, immer kleiner werde, er sei von 1946 bis 1951 von 31 auf 21 Cents zurückgegangen. Schließlich einigte man sich darauf, daß der Absatz der Bekleidungsindustrie für Männer weiter zurückgehen werde, wenn nicht „aggressive Maßnahmen“ ergriffen werden, wie verstärkte Anzeigenpropaganda, modernisierte Verkaufspolitik und Verbesserung der Erzeugnisse.

Die Tagung der Konfektionäre in Chikago hat sich allerdings nicht mit der Frage beschäftigt, wie es um die Damenbekleidung steht. Es könnte nämlich sein, daß diese ebensoviel gewonnen hat in den letzten zwanzig Jahren, wie die Herrenbekleidung verlor. Ein fortgesetzter Übergang der Umsätze von Männer- auf Frauenbekleidung würde aber zuletzt bedeuten, daß die Macht der Frauen – auch wenn die Damenbekleidung heute noch zum allergrößten Teil von den Männern bezahlt wird – im Wachsen begriffen ist... Pet