Max Kommerell: Kasperle-Spiele für große Leute (Scherpe-Verlag, Krefeld, 150 S., Illustr. von Robert Pudlich, Leinen 7,20 DM)

In diesen Tagen wäre Max Kommerell, der 1944 starb, fünfzig Jahre alt geworden (kaum kann man ihn sich so „jung“ vorstellen, da doch sein Werk so reich und reif weiterlebt). Selbst schöpferisch zu sein und zugleich sich in die dichterische Welterfahrung anderer (Calderons, Jean Pauls, Brentanos, Hofmannsthals) versenken zu können, das war seine Doppelbegabung. Die Brücke schlug er auf seine Art: im Spiel mit dem Spiel. In den von Einfällen blitzenden drei Kasperle-Stücken (aus dem Nachlaß veröffentlicht) treibt er es mit Hilfe der Figuren der Kasperl-Bude – Krokodil und Teufel, Polizist und Großmutter – in überquellender Fülle der Andeutung, des Witzes, der Persiflage und in immer neuen geistreichen Varianten. Der Sieg des Unbewußten spiegelt und bricht sich in den Abenteuern von Kasperle und seiner Frau Schlampampe so drastisch, daß auch Kinder ihre Freude haben müssen. Reizvoll für „große Leute“ sind die von allen Ecken und Enden hineinzuckenden Anspielungen auf ungefähr alle Motive der Weltliteratur. Das hat auch Brentano nicht schöner gekonnt. –nn