Zur Ankündigung der österreichischen Sendergruppe Rot-Weiß-Rot, daß sie Thomas Wollfes Schauspiel „Manor-House“ uraufführen wolle, würde geschrieben: Es ist das einzige Bühnenstück des Dichters, Max Reinhardt hat ihn dazu angeregt. Beide Behauptungen sind falsch. Durch die Briefe, die Wolfe in den zwanziger Jahren an seine Mutter richtete, zieht sich wie ein Glaubensbekenntnis die Rede von seinen Stücken. Er studierte Theaterwissenschaft, der Epiker begann mit „ungeteilter dramatischer Arbeit“, und eins oder zwei seiner Schauspiele wurden erfolgreich von Universitätsbühnen aufgeführt. Schon 1921 (als er Reinhardt noch gar nicht kannte) steht in einem Brief: „Jetzt schreibe ich ein umfangreiches Stück, das mich an Herz und Seele gepackt hat ... Ich halte es für ein großes Thema.“ Und im gleichen Jahr; „Ich glaube, daß „es einmal das Rampenlicht sehen wird.“ Dieses Stück eben ist „Das Herrschaftshaus“. Das große Thema: der Untergang der südstaatlichen Lebensart. Aber die Hoffnung Thomas Wolfes erfüllte sich nicht, oder doch nur so weit, als jetzt, drei Jahrzehnte später, die „Ursendung“ eine Theaterpremiere ersetzen konnte.

Das Herrschaftshaus symbolisiert also den Süden der USA. Sein Besitzer, General Ramsey, sagt: „Ich glaube an Gott, die Hölle, an mein Haus und an die Ungleichheit aller Menschen.“ Mit diesem Glauben geht er in den Krieg, auf den „Spaziergang nach Washington“ und kehrt unterlegen, doch ungeschlagen zurück; er hat seinen Haufen noch, als er sein Haus, das nur mehr das Holz wert ist, verkaufen muß und stirbt. Für seinen Sohn Eugen, den Idealisten, den Träumer, ist Gott vor dem Haus, bei dem lärmenden Pöbel der Sklaven. Alle dramatische Bewegung entspringt nur dem unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Vater und Sohn; der Konflikt wird aber nie wirklich ausgetragen. Eugen verachtet diesen Krieg, verhöhnt die Waffen und nimmt sie doch auf, um dem General zu folgen. Er schreit hinaus, daß das Haus kein Herrenhaus mehr ist, und möchte doch dem Vater den Verkauf ersparen. In großen Dialogen tritt er für die Jugend „gegen die verlogenen, geizigen alten Männer in aller Welt“ auf, aber er steht es nicht durch. Wenn zum Schluß das Haus unter dröhnenden Axtschlägen abgebrochen wird, scheint auch Eugen gebrochen,

Eine Geschichte vom begrabenen Leben, auf das Motiv aus „Schau heimwärts, Engel“ gestimmt: „Verloren, o verloren!“ In der ursprünglichen Anlage des Stückes, die sich in Wolfes Briefen an die Mutter mehrfach findet, kam klar heraus, daß Eugen am Ende dem Anspruch der neuen Zeit gerecht wird. Dort bestimmte die Entwicklung seines Charakters auch den dramatischen Fortgang. Die endgültige Fassung gibt ihm fast nur eine zweite Rolle neben dem Vater. Das große epische Thema, der Niedergang des Südens, hat den Dramatiker in Wolfe überwältigt. In der Sendung, deren Regie Ernst Haessermann hatte, wirkte das Ganze wie eine dramatisierte Erzählung, oder besser gesagt: wie ein Drama, das unter den Händen eines Epikers zur Erzählung wurde. Eberhard P. Michalek