N Zürich, im März

Es fehlen nur noch die letzten Unterschriften unter das Abkommen zwischen Bonn, Bern und den Alliierten, um den Washingtoner Vertrag über die Liquidierung der deutschen Guthaben in der Schweiz zu annullieren, und es ist schwer zu sagen, wo das Ende dieser unrühmlichen „Vereinbarung“ (die 1946 auf Druck Washingtons erfolgt ist) mehr befriedigen wird, in der Bundesrepublik oder in der Schweiz. Denn seit seiner Unterzeichnung wissen die in den Begriffen des Völkerrechts denkenden Schweizer, daß die Beschlagnahme der deutschen Werte sich ’juristisch nicht vertreten läßt, und daß die Schweiz einem Machtspruch der Siegermächte, nicht aber einem Rechtsverfahren half. Darum hat sich Bern auch dagegen gewehrt, die Frage der Entschädigung von Schweizern für Kriegsverluste in Deutschland mit diesen deutschen Auslandswerten zu verbinden, wie es früher Duttweiler propagierte. Auch eine Mitteilung aus Bern fand in hiesigen Finanzkreisen wenig Begeisterung, wonach Übereinkommen, das zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik paraphiert sei, erst unterzeichnet werden könne, wenn die Londoner Schuldenkonferenz eine befriedigende Regelung des schweizerischen Anspruchs auf die „Clearingmilliarde“ gebracht habe, die aus der Kriegszeit noch ansteht.

Die geplante Regelung, die die deutschen Gläubiger zu einem Verzicht von 33 v. H. zugunsten der Alliierten bewegt und viele Härtefälle mildert, wird als erster Einbruch in die völkerrechtswidrige Behandlung deutscher Auslandsvermögen durch zahllose Staaten nach dem Kriege sehr begrüßt. War ursprünglich der von deutscher Seite zu bezahlende Betrag mit 135 Mill. sfrs festgesetzt, so ist er nach den neuen Vorschlägen bei reduzierter Zahlungsfrist auf 121,5 Mill. herabgesetzt worden, wobei Vermögen bis 10 000 sfrs von diesem Abstrich befreit sein sollen. Ebenso bleiben unbetroffen Vermögen von deutschen Juden, Hitleropfern, Sudetendeutschen und Danzigern; ferner ist eine Sonderregelung für Bewohner des „Schaffhauser Zipfels“ vorgesehen. Die Transaktion soll von einer schweizerischen Bank finanziert werden; der Gesamtbetrag der freizustellenden deutschen Werte wurde in der Schweiz mit rund 360 Mill. sfrs errechnet. Fraglich bleibt noch, ob die Schweiz ihren Verzicht auf den vom Washingtoner Abkommen für sie bestimmten Anteil tatsächlich nur unter dem Vorbehalt einer sie befriedigenden Londoner Schuldenregelung leisten wird, oder ob es auf dem Verhandlungsweg gelingen wird, sie zu einem vorbehaltlosen Verzicht zu bewegen. Eilen also die Meldungen von einem Ende des Washingtoner Abkommens den Tatsachen noch voraus, so ist doch gewiß, daß dieses Abkommen in Liquidation steht und sein Ende vorhergesagt werden kann.