Seit Wochen kriselt es um den Butterpreis; man möchte sagen: es zeichnen sich leichte „Einbuchtungen“ ab. Der gegenwärtige Preis für Markenbutter von 5,70 DM je kg ab Molkerei wird von einigen Seiten her nicht unerheblich unterboten. Neben reichlichem Angebot an frischer Markenbutter und den Vorräten der Absatzzentralen verfügt die Einfuhr- und Vorratsstelle gegenwärtig noch über einen Vorrat von zirka 13 000 t, der sich vermutlich im März und April um 6000 bis 8000 t vermindern wird. Immerhin bleibt die Tatsache bestehen, daß Ende April/Anfang Mai ein Rest von 5000 bis 6000 t verbleiben wird, mit dem die Einfuhr- und Vorratsstelle in die neue Saison geht, und der mit erheblichen Preisabschlägen – als Landbutter jekennzeichnet – zu 5,18 DM je kg – hoffentlich – veräußert werden soll.

Daran, daß die teuer eingekaufte Ware, um sie vor dem Verderb und den Staat vor weiteren Verlusten zu schützen, billiger abgegeben werden muß, hat sich der Streit der Meinungen entzündet. Die Gewerkschaften fordern eine beträchtliche Senkung der Milch- und Butterpreise, lehnen für 1952/53 eine nationale Butterreserve ab (die im Vorjahr zusammen mit der letzten Butterpreiserhöhung verfügt und auf 30 000 t festgesetzt worden war) und fordern, daß die Einfuhr- und Vorratsstelle nur bei stoßweisem Angebot aufkaufen und spätestens nach drei Monaten verkaufen soll.

Demgegenüber argumentiert die Landwirtschaft, daß eine Preissenkung ganz ausgeschlossen sei, da sie die Rentabilität gefährde. Man will, falls keine Bundesgelder bereitstehen, je Liter Milch 72 Pfennig in einen Fonds zahlen, aus dem der Butterpreis gestützt werden kann: eine Maßnahme, deren Erfolg freilich bezweifelt werden muß. Die gegenwärtige, den Leistungen unserer Landwirtschaft ein gutes Zeugnis ausstellende Überschußsituation auf dem Buttermarkt wird auch nach Ansicht der Bauernverbände anhalten, da für 1952 die Produktion auf 290 000 t geschätzt wird (gegen 275 000 t 1951), zu denen Überträge aus 1951 von 24 000 t und 40 000 bis 45 000 t Einfuhren aus handelspolitischen Gründen kommen. Dem steht ein Jahresverbrauch von 305 000 bis 310 000 t gegenüber. (Tatsächlich ist seit September 1951 als Folge des Wertzollsystems keine Butter mehr eingeführt worden; erst ab Mitte dieses Jahres werden einige Butterimporte infolge von Zugeständnissen in einzdnen Handelsverträgen – z. B. aus Schweden – eintreffen.)

Als Ausweg fordern die Bauernverbände – mit Recht – eine Steigerung des Trinkmilchverbrauches. Stiege der Trinkmilchverbrauch pro Kopf und Tag von 0,2 auf 0,3 1, so würden 1,7 Mrd. 1 Milch für die Buttererzeugung anfallen, was 70 000 t Buttermindererzeugung bedeutet. In Holland, Dänemark und Schweden werden, demgegenüber 0,6, in der Schweiz 0,65 und in den USA 1,0 1 konsumiert.

Mit diesem Vorschlag der Bauernverbände wäre das Problem, so scheint es, also ohne weiteres zu lösen. Aber es ist ja nun so, daß der Milch-, verbrauch nicht von heute auf morgen zu steigern ist, und man wird zunächst zu näherliegenden Maßnahmen greifen müssen, um dem gegenwärtigen Dilemma zu steuern. Der Vorschlag, den Fettgehalt der Milch von 2,8 auf 3 v. H. zu erhöhen, scheint von der Landwirtschaft wohl im Interesse des zukünftigen Mehrverbrauchs akzeptiert zu werden. Wenig Gegenliebe dagegen findet die zweite Forderung, den Wassergehalt der Butter von 18 auf 16 v. H. herabzusetzen, wobei offenbar die mangelhafte optische Wirkung eine Rolle spielt. Man käme auf rd. 11 000 t weniger, wenn beide Maßnahmen eingeführt würden. Zudem entspräche die Butter mit dem niedrigeren Wassergehalt den Anforderungen des Weltmarktes.

Angesichts der widerstreitenden Meinungen der Interessenten und des Überschusses am Buttermarkt wäre nun die Frage zu stellen, wo der „gerechte“ Butterpreis in etwa liegt; Dabei ist einerseits von der Überlegung auszugehen, daß die Butterpreiserhöhung des letzten Jahres zu einer Zeit erfolgte, als andere Fette, wie Schmalz und pflanzliche Öle, so gut wie nicht zu haben waren. Butter war das einzige verfügbare Fett. In dieser Lage wurde der Butterpreis erhöht und eine nationale Butterreserve von 30 000 t angelegt. Heute verfügt die Einfuhr- und Vorratsstelle über 32 000 Öl und 17 000 t Schmalz, und die rückläufigen Warenmärkte deuten darauf hin, daß in nächster Zukunft hier keine wesentlichen Schwierigkeiten zu erwarten sind. Andererseits muß der Landwirtschaft eine gewisse Stabilität ihrer Preis- und Absatzverhältnisse zugebilligt werden, um ihrer Kostenstruktur gerecht zu werden. Der Ablauf des Marktgeschehens der letzten Wochen hat jedoch – wieder einmal – mit schlagender Deutlichkeit bewiesen, daß Höchstpreise nur so lange Festpreise bleiben, wie sie der Marktlage annähernd entsprechen. Im anderen Falle erweisen sich die Marktgesetze stärker als alle Eingriffe. Es wäre daher, um den gerechten Preis zu ermitteln, notwendig, Marktnotierungen für Markenbutter einzuführen und die Butter mit einem Datumstempel zu versehen, damit die Qualität gewahrt wird, und damit ältere Ware zu niedrigerem Preis abgegeben werden kann. Man braucht kein Prophet zu sein, wenn man annimmt, daß sich ein Preis etwa zwischen 5,20 bis 5,40 DM je kg bilden könnte.

Den zu erwartenden Protesten der Landwirtschaft ist entgegenzuhalten, daß eine dauernde Marktstützungspolitik auf dem gegenwärtigen Stand mehr Verwirrung hervorruft als ein beaufsichtigtes Gleitenlassen der Preise, wobei ein Mindestpreis von vielleicht 5,20 DM zu garantieren wäre. Den Mindereinnahmen im gegenwärtigen Zeitpunkt würden Mehreinnahmen bei höherem Butterpreis in einem trockenen Jahr gegenüberstehen. Im übrigen ist es wahrscheinlich, daß ein etwas niedrigerer Butterpreis den Absatz ganz erheblich beleben, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Margarine verbessern und damit die Mindereinnahme ausgleichen würde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die im letzten Jahr vorgenommene Preiserhöhung auf 5,70 DM je kg den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprochen hat; sie hat der Landwirtschaft gute und fraglos notwendige Verdienste eingebracht. Immerhin ist es nicht unbillig, wenn nun, in einer Überschußsituation, deren Vorteile jetzt andererseits auch dem Verbraucher zugute kommen. C. v. S.