Aufbau aus dem Nichts

In wenigen Zimmern, mehr schlecht als recht, domiziliert in Wiesbaden, Spiegelgasse 9, der Buch- und Musikverlag Breitkopf & Härtel, geleitet von den Brüdern Dr. Hellmuth und Dr. Martin von Hase, die jüngst im Schauprozeß eines sowjetzonalen Tribunals zu Leipzig nach berüchtigtem Muster wegen angeblichen Wirtschaftsverbrechens (Verlagerung) in Abwesenheit zu acht und zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. Was der Bombenangriff im Dezember 1943 von dem 1542 gegründeten Leipziger Verlagshaus übrigließ und was an Behelfsbauten in der volksdemokratischen Ära hinzukam, wurde enteignet.

Der Anfang in Wiesbaden war schwer. Man begann mit nur je einem Exemplar der wichtigsten Werke als Druckvorlage und einer Kartei. Während der erste Weltkrieg „lediglich“ die Filialen in Brüssel, London und New York gekostet hatte, zog der zweite auch die Einbuße der ausländischen Märkte nach sich. Niemand weiß, ob und in welcher Höhe einmal Lizenzen für den vom „Treuhänder für das feindliche Eigentum“ genehmigten Nachdruck der bedeutendsten Objekte einkommen. Niemand nimmt zudem in den USA Anstoß daran, daß dort – entgegen der Haltung in anderen Ländern – ohne Treuhändererlaubnis einfach photomechanisch nachgedruckt wird. Unlauterer Wettbewerb? „Drüben“ stört das offenbar nicht. Die illegale Einfuhr in die Bundesrepublik aus dem Osten ist ebenfalls ein ernstes Kapitel. Das Gefälle zwischen den beiden Währungsgebieten verlockt zu Veräußerungen über Ostberlin mit hohem Nutzen, Dennoch: Aus dem Nichts wachsen neue Werte.

Der Weiterbau erfordert noch Jahre und die Investierung von Millionen. Großes Lob zollt man in der Spiegelgasse den Bundesbehörden und den hessischen Behörden. Sie halfen und tun es weiter. So wurden akute Gefahren gebannt, Möglichkeiten zu ruhigerem Planen geschaffen. Insofern ist der Verlag wohl „über dem Berg“. Was zu tun bleibt, merkt man rasch, wenn man den alten Katalog, von den Musikalienhändlern einst „Bibel“ getauft, mit seinem jüngsten schmalbrüstigen Nachfolger vergleicht.

Die heutigen Umsätze gliedern sich in den Verkauf gedruckter Noten und Musikbücher, das „Papiergeschäft“ also, ferner den Verleih von Aufführungsmaterial und die Lizenzen von der GEMA (z. B. für Schallplatten, Tonfilme). Die zweite und die letztgenannte Position sind rentabler als die erste, weil diese – im Gegensatz zu den anderen – ständige Neuproduktion verlangt. Mit dem Erfolg der in Wiesbaden herausgebrachten neuen-Komponisten ist man zufrieden. Die Leihabteilung bewährt sich; sie arbeitet nach den Prinzipien einer Leihbibliothek und ermöglicht Aufführungen, die sonst unterbleiben müßten, Die starke Inanspruchnahme dieser Abteilung demonstriert das Maß des Interesses. Und da auch der Export wieder in Gang kommt, darf man wohl annehmen, daß es den Lenkern des Unternehmens gelingen wird, für die Allgemeinheit im Westen zu bewahren und zu mehren, was im Osten vom Ungeist überwältigt wurde. Heimat Benecke

Bayerische Staatsbank, München. Zum erstenmal nach neun Jahren hat die Bayerische Staatsbank als eines der ersten Kreditinstitute ihre Bilanzen veröffentlicht. Staatsbankpräsident Dr. Karl Max von Hellingrath erklärte hierzu, daß die Kriegsschäden als geheilt betrachtet werden können. Das durch die Währungsumstellung auf knapp 10 Mill. DM reduzierte Grundkapital ist wieder auf 40 Mill. – die Hälfte dieses Betrages in 5 1/2 prozentigen Schatzanweisungen der Deutschen Bundesbahn – aufgestockt worden. Während die Bilanzsumme in der DMEB. rund 156 894 Mill. DM betrug, waren es 470 Mill. zum 31. Dezember 1949 und 671 Mill. bei der Jahresbilanz zum 31. Dezember 1950. Der Geschäftsbericht für 1951 wird in wenigen Monaten erwartet, hier dürfte sich die Bilanzsumme dann der 800-Mill.-Grenze nähern und damit diejenige des Bilanzabschlusses für das Jahr 1950 nochmals um ein Wesentliches übersteigen. Die Bayerische Staatsbank ist wesentlich am Aufbau der bayerischen Wirtschaft beteiligt. Obgleich immer noch Hausbank des bayerischen Staates, betreibt sie, mit Ausnahme des Hypothekengeschäfts, alle privaten Bankgeschäfte. Die Tätigkeit der Bank nach 1945 spiegelt die Sorgen und Grundprobleme ganz Bayerns wieder. Mit einem Anteil von 21 v. H. Heimatvertriebenen an seiner Gesamtbevölkerung, weist Bayern die absolut größte Flüchtlingsbevölkerung der Bundesrepublik auf. Die Abschnürung Bayerns von seinen früheren Märkten im Osten und Südosten und die ungünstige Fracht- und Verkehrslage haben eine wirtschaftliche Umstellung nötig gemacht. Die Industrialisierung, zum Teil durch Flüchtlingsbetriebe, erreichte jedoch Fortschritte. Die Bank ist allein an den staatsverbürgten Flüchtlingsproduktivkrediten mit über 20 v. H. beteiligt. Dazu kommen Kredite für die Land- und Forstwirtschaft und für die Demontage. An dem eine Mrd. DM übersteigenden Export aus Bayern ist die Staatsbank als eine der führenden Außenhandelsbanken der Bundesrepublik stark interessiert.

Von der Holsten-Brauerei Hamburg wird über eine erfreuliche Umsatzsteigerung im Geschäftsjahr 1950/51 berichtet. Das Inlandgeschäft war durch eine Verlagerung des Verkaufs vom Faßbier zum Flaschenbier gekennzeichnet, Im Exportgeschäft konnte das Unternehmen weitere Auslandmärkte zurückgewinnen. Es wurden in der Menge die größten Jahresumsätze der Vorkriegszeit überschritten. Der Wert der Exportlieferungen erreichte 7,3 Mill. DM. Der zum 26. März einberufenen HV. wird vorgeschlagen, den sich ergebenden Gewinn (nach Vornahme der Abschreibungen und Wertberichtigungen), der sich um den Vortrag von 0,15 auf 0,21 Mill. DM erhöht, nach Zahlung von 4 v. H. Dividende auf 5000 DM Vorzugsaktien auf neue Rechnung vorzutragen. Für das neue Geschäftsjahr sind die Hoffnungen des Unternehmens hinsichtlich des Inland- und auch des Auslandabsatzes von erfreulichem Optimismus. Als Neuerung hat die Holsten-Brauerei für Exportzwecke den Versand von Bier in tropenfesten Weißblechdosen zu 0,35 1 eingeführt. Das Unternehmen erreicht damit eine Frachtersparnis von 50 v. H. Eine Beeinträchtigung des Biergeschmacks erfolgt nicht. Es entfällt bei Verwendung der Weißblechdosen die bisher übliche Pfand- und Leergutrückgabe.