Nach einer Pause von annähernd sieben Jahren wurde am 11. März in Berlin die Berliner Börse wiedereröffnet.

Die Entblößung Berlins von effektiven Stücken zwingt dazu, den Börsenverkehr zunächst anders zu regeln als im Bundesgebiet, Berlin stellt nämlich nicht nur für diese Stücke und selbstverständlich auch für die bereits auf D-Mark umgestellten Aktien Kurse fest, sondern auch für die Neugirosammeldepotanteile. Das geschieht nicht, um dem Westen Orders abzujagen, sondern aus der eingangs erwähnten Zwangslage heraus. Wenn die westdeutschen Börsenvorstände, wie 1949 zugesagt, die Notiz der von ihnen vorübergehend aufgenommenen nur in Berlin zugelassenen Wertpapiere einstellen und wenn die Emittenten davon absehen würden, für solche Papiere Zulassungsanträge im Bundesgebiet zu stellen, würde die Stellung der Berliner Börse materiell und psychologisch so gestärkt sein, daß sie die Notiz auf effektive Stücke beschränken könnte.

Die Berliner Börse ist vorläufig in Berlin-Wilmersdorf in einem Logenhaus untergebracht, wo der Besucher in der Vorhalle mit dem Spruch begrüßt wird: „Als guter Mensch tritt ein, als besserer geh’ von hinnen.“ Der Rahmen ist bescheidener als früher: Renten werden zunächst noch nicht notiert. Die Zahl der Aktien hat sich von 472 (am 16. April 1945) auf 336 verringert; dagegen ist bei der Aufgliederung in Stücke mit Lieferbarkeitsbescheinigung, DM-Stücke und NGS die Zahl der festzustellenden Notierungen auf 507 gestiegen. Von der Wiedereröffnung der Metallbörse wird zunächst noch abgesehen, während die Berliner Produktenbörse, die seit geraumer Zeit schon einmal wöchentlich abgehalten wird, in nächster Zeit zweimal wöchentlich in den gegenwärtigen Börsenräumen stattfinden soll. Die Wiedereröffnung fällt in eine ungünstige Börsenkonjunktur. Es wäre aber sinnlos, darüber zu klagen, daß man ohne die leidigen Kompetenzstreitigkeiten die vergangenen Monate des Booms noch hätte nutzen können. Jetzt handelt es sich vielmehr darum, daß die Berliner Börse den Vorsprung Westdeutschlands aufholt und wieder zu einem Platz des Kapitalausgleiches und zu einem Instrument der Kapitalbeschaffung wird, getragen vom Namen der traditionsreichen Handelskammer und der fachlichen Arbeit der Banken und Makler. Sa.