Die Preisbewegung an den Börsen von New York und Chicago, die seit langem als alleiniges Barometer für die Vorgänge auf den Warenmärkten galt, verführt zu dem Schluß, daß die rückläufigen Preise sich in den letzten vierzehn Tagen mehr oder weniger stabilisiert haben. Denn diesmal überwiegen die Preiserhöhungen bei weitem die noch zu verzeichnenden Rückgänge. In Wirklichkeit sieht aber die Weltlage heute anders aus. Von den Ländermärkten, auch aus den USA selbst, werden neue krisenartige Vorgänge gemeldet, die einen Druck auf die Preise ausüben, sich aber an den USA-Börsen noch nicht ausgewirkt haben, weil der Einfluß der Vorratskäufe der Regierung, der Stützungspreise und der Rüstungskonjunktur sich vorläufig noch als stärker erwiesen haben.

So sind z. B. die Preise für Baumwolle und Schweißwolle in den USA seit Ende Februar angestiegen, obwohl die Lage der Textilindustrie sich von Monat zu Monat weiter verschlechten. Kurzarbeit ist an der Tagesordnung, Stilllegungen sind angekündigt. Die Zurückhaltung der Käufer im In- und Ausland nimmt einen bedrohlichen Umfang an. Verschiedene große Werke der Kunstfaserindustrie haben deshalb neuerdings Preisermäßigungen größeren Umfanges für Rayongarne (bis zu 18 cts je lb) angekündigt, durch die man das Vertrauen der Kundschaft wiederzugewinnen hofft. – In Indien ist ein neuer Rückgang in den Warenpreisen eingetreten, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Sachverständige Kreise betrachten diesen Preiseinbruch als eine finanzielle Krse, die durch übertriebene Spekulation und zu große Vorratsbildung einerseits und schwindende Kaufkraft als Folge dir Maßnahmen der Regierung gegen die drohende Inflation sowie durch die unsichere internationale Wirtschafts- und politische Lage andererseits hervorgerufen wurde. Von dem Preisrückgang sind mit Ausnahme von Weizen und Reis, die beide in Indien knapp sind, alle Welthandelsgüter erfaßt worden: vor allem Edelmetalle, Ölsaaten, Baunwolle, Jute, Zucker und Pfeifer. – Auf dem Baumwollterminmarkt in Alexandrien sind verschiedene Maklerfirmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie von ihren Kunden aus Handels- und Spekulantenkreisen in Stich gelassen wurden und selbst nicht in der Lage sind, die Preisdifferenzen für die großen Februarkontrakte zu bezahlen. Die notleidende Ware wird nach allen Seiten angeboten, hat aber bisher noch keinen Käufer gefunden, de auch nur annähernd die geforderten Preise bezahlen will – Recht bedenklich für die weitere Entwicklung der Warenmärkte stimmt das übergreifen der offenen und versteckten Einfuhrbeschränkungen auf immer weitere Länder und der Umfang dieser Beschränkungen. Australien zum Beispiel will die Einfuhr einer großen Anzahl von Fertigwaren um 80 v. H. gegenüber 1951 einschränken, Südafrika um 60 H. Derart starke Ausfälle kommen, nicht ohne Schädigende Einwirkung auf die Wirtschaft ihrer Lieferländer bleiben und müssen im Verlauf zu neuen Rückschlägen auf den Weltmärkten im ganzen führen.

Die Preise für die meisten Pflanzenöle und Ölsaaten sowie für Schmalz haben in New York in den letzten vierzehn Tagen leicht angezogen? Kopra dagegen ist dort und in London, wo die Ölpreise von der Regierung manipuliert werden, zurückgegangen. Die Nachfrage in London ist aber selbst zu dem ermäßigten Preise von 67 £ je t gering, da der inzwischen eingetretene starke Rückgang der indischen Ölpreise und der Verkauf von 6000 t indonesischer Kopra nach Deutschland und von 2000 t nach Dänemark zu 67 fl per 100 kg elf zu größter Vorsicht mahnt. In Deutschland sind, wie bereits in unserem Bericht vom 7. Februar angeführt, durch den starken Preisrückgang auf dem Weltmarkt in der Öl- und Fettbranche Millionenverluste entstanden, die zu finanziellen Schwierigkeiten bei einigen Firmen geführt haben. Eine ernstliche Bedrohung für die Gesamtheit des deutschen Öl- und Fetthandels bedeuten diese Verluste trotz ihrer Höhe schon wegen der vorher erzielten hohen Konjunkturgewinne jedoch nicht.

Sehr kritisch sieht die Lage auf dem Gebiet der Faserstoffe aus. In Wolle haben englische Fachkreise einen Überschuß der Produktion über den Verbrauch von über 300 Mill. lb = 15 v. H. errechnet. Und wenn auch in den überseeischen Auktionen letzthin eine gewisse Preisstabilität zu verzeichnen war, so haben andererseits die letzten Auktionen in Liverpool, auf denen Wolle aus Indien und Pakistan angeboten wurden, mit Preisen abgeschlossen, die um 20 bis 25 v. H. unter denen der ersten diesjährigen Auktionen gleicher Herkünfte liegen. Bei dieser Preisentwicklung hat bereits die drastische Einschränkung der australischen Textilwareneinfuhr eine Rolle gespielt. – Die günstigen amerikanischen BaumwollDotierungen dürfen über die sehr ungünstige Lage der Baumwollindustrie in vielen Ländern nicht täuschen, die zu weiteren Kaufeinschränkungen im Rohstoff führen müssen. Belgien meldet eine Absatzkrise seiner Industrie? Frankreich muß seine Werke unterstützen; Japan plant eine Drosselung der Baumwollgarnerzeugung) Pakistans Baumwollhandel ist im Druck und fordert eine Stützung der Baumwollpreise usw. In der deutschen Textilbranche sind gleichfallserhebliche Verluste bis hinein in den Einzelhandel, der sich vielfach beträchtlich eingedeckt hatte, entstanden, was bei dem großen Preisrückgang gegenüber 1951 (Wolle von 323 d auf 119 d Je lb, amerikanische Baumwolle von 53 d auf 41 d) und der Kaufzurückhaltung des Publikums nicht zu verwundern ist.

Auf dem Kautschukmarkt wird das jetzige Preisniveau durch eine vor wenigen Tagen erfolgte Herabsetzung des Preises für synthetischen Kautschuk von 26 cts auf 23 cts bedroht. Der Preis für Naturkautschuk beträgt demgegenüber gegenwärtig 33 1/4 cts. In amerikanischen Handelskreisen betrachtet man diese Ermäßigung als ein weiteres Zeichen dafür, daß die Kautschukversorgung der USA im ganzen gesichert ist.

Auf den Metallmärkten sind die offiziellen Preise auch in der Berichtsperiode wieder unverändert geblieben. Jedoch ist inzwischen eine wesentliche Besserung der Versorgungslage eingetreten. Von der US Defence Production Administration ist eine kräftige Erhöhung der Zuweisungen von Aluminium und Kupfer für den zivilen Verbrauch zum zweiten Quartal verfügt worden. Auf dem Bleimarkt nahmen die Käufer eine vorsichtige Haltung in bezug auf Aprilkäufe ein. Man erwartet einen Preisrückgang unter den offiziellen Preis, da die Regierung bis auf weiteres ihre Vorratskäufe eingestellt hat. Die Verhandlungen zwischen den USA und indonesischen Unterhändlern über amerikanische Zinnkäufe in Indonesien haben bereits zu einer Verständigung über den Preis und die Menge Zinn geführt, die von den USA während des ersten Jahres eines langjährigen Vertrages bezogen werden sollen. Über die späteren Bezüge wird noch weiter verhandelt. Man hofft, in diesen Tagen zu einer endgültigen Einigung zu kommen. ol.