Am 19. März trat der vom Bundeskabinett acht Tage vor dem Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Frist gebildete Verwaltungsrat der Deutschen Bundesbahn zu seiner konstituierenden Sitzung in der Bundeshauptstadt zusammen. Damit wurde, nachdem Bundesrat, Wirtschaft und Gewerkschaften ihre Vorschläge längst gemacht hatten, endlich das Rätselraten um die Persönlichkeiten, die der Bundesverkehrsminister zu benennen hatte, beendet. Allen, die selbst nur einen bescheidenen Einblick in das Hin und Her der Machtkämpfe hinter den Kulissen hatten, brachte diese Liste keine besonderen Überraschungen. Besonders mit Hermann J. Abs, Prof. Dr. Otto Most und Dr.-Ing. Hermann Winkhaus wurden bedeutende und profilierte Persönlichkeiten in den Verwaltungsrat berufen. Bedauerlich aber bleibt, daß Dr. Seebohm seine Antipathie für Ministerialdirektor Brandt, der ihm anscheinend mehr als unbequem ist, durchsetzen und ihn von der Benennung ausschließen konnte. Gleichfalls muß es bedauert werden, daß die Bundesbahn selbst durch keinen Eisenbahnfachmann (abgesehen von Dr. Vaillant) verbeten ist, also nur noch die Hoffnung bleibt, es möge wenigstens der aus vier Herren zu bildende Vorstand mit sachkundigen Persönlichkeiten besetzt werden. Es kann durchaus nicht überraschen, daß der Kohlenbergbau sowie die Eisen- und Stahlindustrie von der Zusammensetzung des Verwaltungsrates erheblich enttäuscht wurden; es sind also die Grundstoffindustrien, die als die großen Verfrachter auf der Einnahmen- wie als Lieferanten auf der Ausgabenseite der Bundesbahn an erster Stelle stehen, übergangen worden.

Hauptaufgabe des Verwaltungsrates wird, wenn er nach Überwindung der Anfangsschwierigkeiten sich zur intensiven Arbeit findet, die Benennung des Vorstandes sein. Hier werden noch immer Staatssekretär Frohne und Ministerpräsident a. D. Hilpert erwähnt, aber auch die Bahnexperten Generaldirektor Helberg, Präsident Jakobshagen und, last not least, Ministerialdirektor Brandt.., ww.

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Vom Bundesrat wurden in den VR berufene Dr. Heinz Kastner, Dr. Georg Haindl, Dipl.-Ing. Karl Oppermann, Minister Viktor Renner und Senator a. D. Hermann Wenhold; von der Gesamtwirtschaft: Dr. Hans Wellhausen, Dr. Hermann Vaillant, Bernhard Günther, Willy Max Rademacher und Lambert Schill; von den Gewerkschaften: Hans vom Hoff, Hans Jahn, Oskar Rümmele, Oskar Vongerichten, August Dominik; vom Bundesverkehrsminister: neben den einleitend genannten drei Persönlichkeiten: Walter Madsen und Dipl.-Ing. Ernst Martens; Berlin wird durch Dr. Ernst als Sachverständigem vertreten sein.