Das mit einiger Verspätung – nämlich erst Anfang März – abgeschlossene Abkommen über den deutsch-englischen Warenaustausch im Kalenderjahr 1952 wird voraussichtlich im Bundestag einer harten Kritik seitens der Opposition begegnen. Dafür gibt es gleich zwei Ansatzpunkte: nämlich einmal, daß wir in diesem Jahre größere Mengen Stahl-Walzwerkserzeugnisse – darunter auch Rohre für Ölfelder – nach Großbritannien liefern sollen, und weiterhin, daß wir, in einer Zeit der Flaute im Textilgeschäft, das Einfuhrkontingent für Anzugstoffe noch erhöhen, von 7 auf 8,5 Mill. Dollar im Jahresbetrag. Nun wird natürlich gefragt, ob unsere Unterhändler in London „von allen guten Geistern verlassen“ seien, und ob wir nicht besser daran täten, den knappen und kostbaren Stahl selber zu Maschinen und anderen Fertigwaren zu verarbeiten, und uns in home-spun-Anzüge, in Stoffe aus eigener Fertigung also, zu kleiden ...

Eine solche kritische Reaktion ist zwar verständlich, aber nicht sehr klug, denn man darf nicht irgendwelche Einzelheiten aus einem solchen Vertragswerk „herauspicken“, um sie kritisch zu zerpflücken, sondern man muß sich bemühen, das Ganze zu sehen – muß also etwa auch berücksichtigen, daß England nunmehr die Erfüllung der seit 1951 suspendierten Kohlenlieferungskontrakte – wenn auch zunächst in einem begrenzten Rahmen – zugesagt hat. Weiterhin ist zu betonen, daß irgendwelche Kontingente, wie etwa für Tuchlieferungen, ja noch keine Abnahmeverpflichtungen für uns bedeuten, sondern lediglich Einkaufsmöglichkeiten eröffnen, die der Importeur ausnutzen, aber auch, wenn sie keine preislichen Vorteile bieten, unbeachtet lassen kann. Und schließlich ist das Abkommen über den Warenhandel mit Großbritannien für das laufende Jahr unter dem Aspekt zu sehen, daß dort ähnlich wie bei uns vor gut einem Jahr, jetzt die Krise der Zahlungsbilanz entstanden und damit ein Zurückschrauben der liberalisierten Einfuhr – auf etwa 60 v. H. des britischen Imports insgesamt – erforderlich geworden ist – eine Entwicklung, der ein auf gute Geschäfte in der Zukunft bedachter Partner eben Rechnung fragen muß, damit die Krise möglichst schnell überwunden werden kann und sich dann bessere Chancen im Handel ergeben. Auch der Außenhandel ist ja nur ein erweiterter Tausch, bei dem es in erster Linie darauf ankommt, vielseitige-Geschäftsbeziehungen im Gang zu erhalten ... Jeder Versuch aber, „kostbare“ Waren für sich zu behalten, „überflüssige“ Einfuhren zurückzudrängen, bedeutet eine Entflechtung der internationalen Handelsbeziehungen, einen Verzicht auf Umsätze und Erträge, und eine unnütze Beschränkung des Grundsatzes der internationalen Arbeitsteilung, die auf dem Leistungstausch nach Maßgabe der jeweilig geltenden Marktpreise beruht. E. T.