Als Bundeshauptstadt-Provisorium zwar verschmäht, hat Frankfurt als Wirtschaftsgebiet seither gut, ja glänzend reüssiert. Die „an der Naht“ der süd-, west- und mitteldeutschen Raumgebiete gelegene Stadt überrascht durch ein hohes Maß an ökonomischer Aktivität, an Vielseitigkeit und Leistung; der Wiederaufbau auf allen Ebenen wirtschaftlicher Betätigung „kann sich sehen lassen“. Auf Einladung des DIHT von der örtlichen IHK veranstaltete Werkbesichtigungen machten das, im Verein mit Darlegungen über die strukturellen Besonderheiten des Kammerbezirks, kürzlich erneut deutlich.

70 000 Pendelwanderer (128 auf 1000 Einwohner) charakterisieren die Anziehungskraft des Zentralplatzes, dessen Einwohnerzahl (jetzt mit rund 562 000 etwas über Vorkriegsstand) allmonatlich um 3000 wächst. 1951 betrug die Arbeitslosenquote nur 3,8 v. H. (bei 7,9 v. H. in Hessen (!) und 9 v. H. im Bundesgebiet). Man zählte (1950) fast 31 000 gewerbliche und 14 500 handwerkliche Arbeitsstätten (mit 269 000 und 63 400 Beschäftigten, wovon 11 v. H. Heimatvertriebene). Handel, Geld- und Versicherungswesen geben nahezu 76 000 Personen Arbeit. Die Börse ist nicht nur 300 Jahre alt, sondern meldete 1950 mit 37,5 Mill. RM Monatsdurchschnitt auch den höchsten Jahresumsatz aller deutschen Börsen (München 28,4, Düsseldorf 19,3 Mill RM). Die (zahlenmäßig, nicht belegbare) Entwicklung 1951 dürfte im Trend unverändert gewesen sein. Als Sitz der Bank deutscher Länder und Platz repräsentativer Messen hat die Stadt für das Bankwesen und als internationaler Großmarkt ihre besondere Bedeutung.

Industriell überwiegt die Chemie (28,7 v. H. des gesamten Frankfurter Industrie-Umsatzes von 202,1 Mill. DM, im Monatsdurchschnitt des 4. Quartals 1951) den Maschinenbau (16,4 v. H.) und die Elektrotechnik (11,3 v. H.) erheblich; die Exportquoten lauten in gleicher Reihenfolge auf 27, 31,3 und 9 v. H. Fahrzeugbau, Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie, Druckereigewerbe und Filmverleih, Flughafen (Rhein-Main) und Mainhafen erweisen sich als weitere Aktivposten. Die Ausfuhrumsätze des Bezirks stiegen 1950 um 189 v. H. (Hessen 174 v. H., Bund 109 v. H.), 1951 nochmals um 82,8 v. H., die Industrie-Umsätze um 20 v. H. (1950) und 43 v. H. (1951). Auf Frankfurts Industrie entfallen rund 35 v. H. des hessischen Gesamtexports.

Die gute Mischung von Groß-, Mittel- und Kleinbetrieben kennzeichnet zugleich das „gesunde Klima“ des alten und neu aufstrebenden Wirtschafts-, Handels- und Finanzzentrums an der künftigen Rhein-Main-Donau-Verbindung. Frankfurt ist an der Hauptstadtentscheidung nicht gestorben... H. B.