Nur das Bild ...

Im Schwabenlande sollte, bei einem Umtrunk, als Gesellschaftsspiel ein jeder die Begebenheit berichten, die er für die beschämendste seines Lebens hielt. Karl, der Maler war, erzählte, eine Dame aus Freiburg habe ein Bild von ihm gekauft und es in ihrem Koffer bei der Heimreise mitgenommen. Im Zug kam ihr der Koffer abhanden und wurde drei Tage später auf freiem Feld gefunden. Er war vollkommen leer, nur das Bild lag noch drin.

Der Lebensmüde

Ein Mann war durch seine Frau so lebensüberdrüssig geworden, daß er sich entschloß, das Dasein freiwillig zu beenden. Mit diesem Akt sollte aber eine Strafe verbunden werden. Seine Frau erwartete in der Sommerfrische einen Koffer mit Kleidern, den sie vor ihrer Abreise gepackt hatte. Es war ein riesengroßer Koffer, und der Mann wollte die Kleider herausräumen und sich selber hineinlegen, Gift nehmen und statt der Kleider seinen Leichnam an die Adresse der Frau schicken lassen. Er hatte eine Vorrichtung angebracht, mit der er den Koffer von innen abschließen konnte.

In den Minuten, die seine letzten sein sollten und da er, das Giftkapselchen bereits in den Fingern, zusammengequetscht in dem dunkeln Behälter lag, stellte er sich mit wollüstiger Selbstqual vor, wie es seine Frau hinmähen müßte, wenn der Koffer, vor ihr durch fremde Leute geöffnet, das entseelte Opfer ihres schlechten Charakters ihren völlig unvorbereiteten Augen darbieten würde.

Aber gerade über diesen Vorstellungen zogen seine Absichten Wasser. Ihm schien, als überstiege das Theatermäßige seines Plans in einem solchen Übermaß die Anpassungsfähigkeit der Vorstellungen ans Reale, daß sich jede Wirkung neutralisieren würde. Er verließ den Koffer, warf das Gift weg und reiste zu seiner Frau nach Oberbayern.

Der verliebte Sechzigjährige