Der Zweiundzwanzigste

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Weickert (BHE/DG), ein Heimatvertriebener aus dem Sudetenland, ist am 16. März im Alter von 60 Jahren einem Gehirnschlag erlegen. Es ist der 22. Todesfall im Bundestag in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren. Es spricht sich darin die Überanstrengung aus, die den Mitgliedern des Bundesparlamentes durch die allzu umfangreiche Arbeit im Plenum und ganz besonders in den Ausschüssen zugemutet wird. So fordert das Rasen der Gesetzgebungsmaschine einen harten Tribut.

Wiedergeburt von drei Prozent

Pastor Niemöller, der sich gegenwärtig auf einer Vortragsreise in Amerika befindet, hat seinen Hörern in Los Angeles versichert, Deutschland sei zur Zeit der Schauplatz einer militärischen, nationalistischen und nazistischen Wiedergeburt, verursacht durch Verzweiflung und Mutlosigkeit. Die Anhängerschaft der Neo-Nazisten sei zwar nicht groß, meinte Niemöller, entspreche aber etwa derjenigen der KPD. Diese mache in Westdeutschland und der Sowjetzone ungefähr 3 v. H. der Gesamtbevölkerung aus.

Europa auf dem Papier

Die Erleichterung der Paßformalitäten war jüngst Beratungsgegenstand einer Kommission des Europarates in Straßburg. Man war sich darüber einig, daß künftig alle Pässe ein gleiches, europäisches Aussehen haben sollten. Gegen diese Absicht wäre gewiß nichts einzuwenden, wenn damit wirklich eine Erleichterung der Reisen zwischen den Ländern Europas verbunden wäre. Von einer allgemeinen Aufhebung des Visumzwanges in ganz Europa war aber gar nicht die Rede. Die Einführung eines europäischen Einheitspasses liefe also nur darauf hinaus, daß man vor den Paß-Stellen Schlange stehen müßte, um seinen nationalen Paß gegen einen europäischen Paß umzutauschen. Sonst aber bliebe alles beim alten. An Stelle des einheitlichen Europas, das wir alle sehnlich wünschen, bekämen wir ein europäisches Papier. Der europäische Gedanke kann nicht davon leben, daß man die Pässe vereinheitlicht. Man muß sie überflüssig machen.

Alte Strategen am alten Ort