Die Südafrikanische Union gehört dem Commonwealth mehr aus Gründen der Zweckmäßigkeit als aus innerer Verbundenheit mit dem englischen Imperium an. England hat ausdieser Erkenntnis realpolitisch die Folgerung gezogen, daß mit dem Ausscheiden der Union aus dem Commonwealth eines Tages gerechnet und bis dahin in Afrika eine Situation geschaffen werden muß, die den Verlust einigermaßen erträglich macht. Das soll durch den Zusammenschluß der beiden Kronkolonien Süd- und Nord-Rhodesien und des Protektorats Njassaland zu einem Bundesstaat British Central-Afrika geschehen.

Der Plan, der von allen Nachkriegsregierungen in London verfolgt wurde, stieß jedoch auf Schwierigkeiten. Der Widerstand der weißen Siedler wurde dadurch überwunden, daß die englische Regierung die Zusicherung gab, die staatliche Neuordnung werde die Rechte des „weißen Mannes“ nicht gefährden. Diese Rechte, die eigentlich Vorrechte sind, prägen sich besonders in der unter Selbstverwaltung stehenden Kronkolonie Süd-Rhodesien aus. Die Eingeborenen haben hier weniger Rechte als ihre Brüder in der benachbarten Kronkolonie Nord-Rhodesien; deren Gouverneur erhält seine Instruktionen aus dem Londoner Ministerium, das liberaler ist als die örtliche Kolonialverwaltung. In noch höherem Maße gilt dies für das Protektorat Njassaland, in dem England die Eingeborenen als seine Schützlinge betrachtet.

Als man den Vertretungen der Eingeborenen die Föderation mit dem Hinweis auf die zu erwartende Besserung der wirtschaftlichen Lage aller drei Länder schmackhaft zu machen versuchte, konnte es nicht ausbleiben, daß die Vertreter aus Nord-Rhodesien und Njassaland auf die schlechte Rechtslage der Eingeborenen in dem wirtschaftlich fortgeschritteneren Süd-Rhodesien verwiesen und erklärten, sie wollten lieber, daß alles beim alten bliebe. Die erste gemeinsame Konferenz von Weiß und Schwarz in Victoria Falls verlief ergebnislos. Sie war jedoch der Anlaß zu einer neuen Spannung im englisch-südafrikanischen Verhältnis.

Der Gegensatz zwischen London und Südafrika blieb nicht ohne Einfluß auf die Haltung der Eingeborenen, deren Vertreter wenige Wochen nach der Victoria-Falls-Konferenz in Kitwe in Nord-Rhodesien zusammenkamen, wo sie erklärten, daß sie es vorzögen, ihren englischen Protektoratszustand so lange beizubehalten, bis sie ihre eigene Regierung bilden könnten, an der sie „anderen Rassen eine Beteiligung gestatten würden“! Dieser Beschluß war an die Adresse der neuen konservativen Regierung Englands gerichtet. Im April soll nun eine Konferenz in London stattfinden, die den Entwurf für eine Verfassung des neuen Bundesstaates ausarbeiten soll, die – so hofft man – die Bedenken der Eingeborenen zerstreuen wird. Vorher will der Kolonialminister mit Vertretern der Eingeborenen von Nord-Rhodesien und Njassaland in London Besprechungen führen und sie einladen, an der Konferenz teilzunehmen. Sollte es im April zu einer grundsätzlichen Einigung kommen, dann wird, Ende Juli eine abschließende Tagung stattfinden, deren Ergebnis den Regierungen der drei afrikanischen Territorien zur Ratifizierung oder Ablehnung vorgelegt werden soll.

England verfolgt also den Föderationsplan unbekümmert um die Opposition der Südafrikanischen Regierung. Dieser Konflikt trat für die Öffentlichkeit deutlich in Erscheinung, als die Regierung Malan anordnete, daß die Schiffe der südafrikanischen Kriegsmarine in Zukunft nicht mehr als „Ihrer Majestät“, nämlich der Königin Elisabeth Schiffe bezeichnet werden dürfen. Wenn Minsterpräsident Malan gleichzeitig in seinem Wahlkreis erklärte, daß Südafrika sich gegebenenfalls vom Commonwealth trennen müsse, so kann kein Zweifel darüber bestehen, wohin der Kurs führt. Ernst Krüger