Wenn es tatsächlich so ist, daß, wie man hoffen möchte, der „stete Tropfen“ sachlich-fachlicher Aufklärung den „Stein“ der geistigen Trägheit, Gleichgültigkeit und Betriebsblindheit auszuhöhlen vermag, so kann man das Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) in seiner mühsamen Kleinarbeit nur ermutigen. Denn unsere Wirtschaftspolitiker werden erst dann endgültig aufatmen dürfen, wenn die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Produktivitätssteigerung wirklich Allgemeingut geworden ist, und wenn sich breitere Schichten als bisher am RKW-Programm beteiligen.

Was das RKW in seinem jetzt vorgelegten Jahresbericht 1951/52 mitteilt, verleitet zwar nicht zum Ausruhen auf schon errungenem Lorbeer; aber die Fülle des von den einzelnen Rationalisierungs-Gemeinschaften (RG) als bereits geleistet Vermerkten sollte nun auch die Zaudernden anregen, gemeinsam mit den Wegbereitern eines größeren Wohlstandes durch Rationalisierung der alltäglichen Arbeit die Aufgaben zu verwirklichen, die auf den verschiedenen technischökonomischen Gebieten der Lösung harten. Möglichkeiten dazu gibt es mehr als genug.

So plant z. B. die Produktivitäts-Zentrale den Ausbau ihres technologischen Informationsdienstes sowie des innerdeutschen Informationsnetzes zusammen mit der „RG Dokumentation“. Weiter sind vorgesehen: die verstärkte Auswertung der Ergebnisse von Studienreisen und die Intensivierung des Filmdienstes, die Beschaffung ausländischen Materials für Produktivitätsvergleiche, gemeinsame Beratungen von Betrieben und Industriezweigen durch deutsche und ausländische Fachleute, Vorträge an Universitäten, Hochschulen und Handelskammern. Die Zusammenarbeit der Zentrale mit den kompetenten Bundesbehörden, den Produktivitätszentralen im benachbarten Ausland (Belgien, Dänemark, England, Frankreich und Holland, Griechenland, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz, Triest und der Türkei), den für die Materie zuständigen Dienststellen der OEEC und der MSA, den RKW-Bezirksgruppen und -Stützpunkten (Berlin, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen-Bremen, Nordrhein-Westfalen, Württemberg-Baden), mit Rationalisierungsträgern und -gemeinschaften sowie Wirtschaftsverbänden, Organisationen und Firmen schafft eine tragfähige Basis für diese Vorhaben.

Das weite Feld der Betätigung der RG, die als lockere Zusammenschlüsse meist unmittelbar von der Praxis getragen werden und technische sowie organisatorische Grundlagen erarbeiten, reicht vom Thema „Mensch und Arbeit“ über Hauswirtschaft, Bauwesen, Wärme, Typisierung und Normung, Dokumentation, Handwerk und Handel bis zu industriellem Vertrieb, Schiffbau, Verpackung und Transportwesen. Als Gemeinschaftsorgane fungieren der Deutsche Normenausschuß (DNA) mit 60 Fachnormen- und rund 400 Unterausschüssen (z. Z. gibt es etwa 8000 Normen), der Verband für Arbeitsstudien (REFA), der Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung (AWF) und der für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) sowie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Betriebsingenieure (ADB).

Unmöglich, das auf den 154 Seiten des Jahresberichts nach wahrhaft rationeller Methodik Erörterte in wenige Worte zu pressen. So mögen denn einige der markantesten Zielsetzungen Sinn und Zweck des RKW-Wirkens beleuchten Sie lauten: Verbesserung des Verhältnisses zwischen Mensch und Arbeit mittels arbeitspsychologischer, -physiologischer und -pädagogischer Methoden; Durchrationalisierung des gesamten Betriebsgeschehens nach betriebswissenschaftlichen und -technischen Gesichtspunkten; schneller, billiger und besser bauen; wirtschaftliche Verwendung von Kohle, Kostensenkung für Energie und Wärme bei Industrie und Kleinverbrauchern durch optimale Ausnutzung; Kostenverringerung durch Typenbeschränkung, Normung, rationelle Fertigung, wirtschaftliche Verpackung; Förderung des Gütegedankens, und Gütesicherung; schnelle Vermittlung von Forschungsergebnissen und wichtigen Nachrichten zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Produktion.

Je enger die Spitzenorganisationen und Experten der Wirtschaft, Gewerkschaften, Verwaltung, Wissenschaft und Technik sich im Kampf wider das Phlegma unentwegt beharrender Elemente miteinander verbinden, je rascher sich der breiten Öffentlichkeit beispielhafte Erfolgsberichte consequent rationalisierender deutscher (statt überwiegend ausländischer) Unternehmen sowie – was psychologisch sehr wirkungsvoll wäre – Verwaltungsstellen unterbreiten lassen: im so eher wird man Fortschritte auf jenem beschwerlichen Wege zu sinnvollerem Arbeiten und zufriedenerem Leben registrieren können, den der RKW-Jahresbericht 1951/52 weist. -ecke