Die letzten zwei Wochen über blieb die Tendenz an denBörsen weiterhin schwach und das Geschäft klein. Verkaufsorders konnten nur mit Mühe ausgeführt werden. Wirtschaftliche und politische Ereignisse, die sonst unmittelbar in der Kursgestaltung ihren Niederschlag fanden, bliebenohne Auswirkung. Geringe Kursbesserungen gingen meist im Verlauf der Börse wieder verloren, spätestens jedoch in den darauffolgenden Tagen. Auf diese Weise fand derallgemeine Kursabbau seine Fortsetzung, der bei einzelnen Papieren bis zu 14 Punkten ging.

Relativ gut hielten sich die Aktien der Gutehoffnungshütte, die auf 190 (–6) zurückfielen. Stärker waren die Rückginge bei Klöckner und Hoesch mit Je 14 Punkten auf 184 bzw. 175 und bei Vereinigte Stahlwerke und Rheinstahl mit je elf Punkten auf 189 bzw. 161. Mannesmannröhren-Werke, die schon seit mehreren Monaten in der Kursbewertung im deutlichen Abstand, hinter anderen Montanwerten rangieren, gingen um acht Punkte auf 143 zurück. Von diesem Unternehmen wurde bekannt, daß die Umstellung wahrscheinlich 1:1,5 bis 1:1,75 betragen werde. Damit würde der Kurs bereits unter pari liegen – wobei zu berücksichtigen ist, daß der RM-Schlußkurs 165 v. H. betrug und die Ertragskraft des Unternehmens seit je sehr stark war. Über die anderen Montankonzerne wurden in der Zwischenzeit keine wesentlichen Nachrichten bekannt; dennoch gingen die Überlegungen und Spekulationen, die sich besonders auf den Komplex der Vereinigten Stahlwerke konzentrierten, weiter. Hier werden Substanzschätzungen genannt, die erheblich über zwei Milliarden hinausgehen, und die in einem mehrfachen Verhältnis zum nominellen Grundkapital (460 Mill. RM) stehen. Inwieweit diese Vermögenswerte neben der Ausweisung von Reserven, in der Festsetzung der DM-Grundkapitalien der neuen Gesellschaften Berücksichtigung finden werden, kann noch nicht gesagt werden. Man darf jedoch annehmen, daß die augenblicklichen Kursbewertungen der Montanwerte, die mit Ausnahme der Harpener-Aktie unter 200 v. H. liegen, den Paristand der künftigen DM-Grundkapitalien nicht überschritten haben.

Zu welchen Berechnungen man aber auch immer kommen – mag: der Begriff „Substanz“ hat seine Faszination verloren und wird vorerst, auch keine belebenden Kräfte mehr entfalten können. Mögen die Kursrückgänge der Montanpapiere in den vergangenen Wochen – der Punktezahl nach – auch recht beträchtlich gewesen sein, so liegen; die Kurse jedoch zum Teil noch erheblich über den Jahresultimo-Kursen.

Bei den anderen Aktienwerten waren die Kursrückgänge teilweise prozentual größer. So verloren in den vergangenen zwei Wochen Continental Gummi vierzehn Punkte (auf 134), Wintershall und RWE je zwölf Punkte (auf 88 bzw. 123 v. H.), Daimler-Benz, sieben Punkte (auf 74 v. H.), um nur einige herauszugreifen. Diese Kursnotizen am Ende der vergangenen Woche liegen, schon beträchtlich unter denen des 31. 12. 1951. Die Großbankaktiendagegen konnten sich relativ gut behaupten, wobei bemerkenswert war, daß Commerzbank einen Kursanstieg von sechs Punkten auf etwa 66 v. H. hatte. Damit ist die differenzierte Kursbewertung zwischen den drei Großbanken auf ein bis zwei Punkte zusammengeschmolzen,

Dieses im Vergleich zu den Jahresultimo-Kursen unterschiedliche Maß der Kursrückgänge zwischen Montanwerten und den anderen Aktiengruppen ist erstaunlich, da ja. gerade die Montanpapiere in der Hausse des vergangenen Jahres (einschließlich des Januar 1952) am meisten profitiert hatten. Das hat. verschiedene Ursachen: Die Montanpapiere haben gerade bei den steigenden Kursen des vergangenen Jahres in größerem Umfange den Besitzer gewechselt, und die neben Aktieneigner hoffen, die inzwischen zum Teil beträchtlichen Kursgewinne durch einen einjährigen Besitz der Papiere steuerfrei nach Hause zu bringen. Auch mögen Erwartungen auf weitere Kurschancen und zusätzliche Liquidationserlöse diese Papiere vor größeren Kursrückgängen bewahrt haben. Dazu kommt weiter, daß die zum Erwerb von Wandelanleihen notwendigen Kapitalien nicht so sehr aus der Realisation von Montanpapieren beschafft wurden, als vielmehr aus dem Verkauf von Aktien der Gesellschalten, die die Wandelanleihen aufgelegt haben. Inzwischen sind bald 100 Mill. DM der gut aufgenommenen Wandelanleihen am Markt untergebracht worden. W. H. B.