M. K., Kopenhagen, Mitte März

Der Schwerpunkt der weiteren Entwicklung liegt in Dänemark bei den Freien. Von ihnen hängt die Produktion ab. Sie kann sich nur bessern, wenn die Preise eine Absatzsteigerung im internationalen Warenaustausch ermöglichen. Dänemarks Finanzminister Thorkil Kristensen sagte daher auch mit vollem Recht in seinem Überblick über die ökonomische Situation Dänemarks, daß Produktion und Preisentwicklung davon abhängen würden, wie man sich „dänischerseits selbst aufführt“, oder kurz gesagt: ob man sich richtig aufführt. Er ging hierbei von der Relation zwischen Umfang der Einnahmen, Lohnsteigerungen und Preissteigerungen aus und sagte dies insbesondere im Hinblick auf die Lohnverhandlungen, die über 500 000 Arbeiter betreffen. Warnend fügte er hinzu, daß größere Lohnerhöhungen ohne eine entsprechende Produktivität zur Inflation führen würden...

Und Inflation ist nach wie vor das Schreckgespenst, das über der internationalen Wirtschaft. schwebt. In Dänemark ist es zwar 1951 gelungen, die Inflationsgefahr zu bannen, da strenge Regierungsmaßnahmen die Devisenschulden des Landes verringerten. Das konnte aber nur durch einen Produktionsrückgang erreicht wercen, wobei es notwendig war, den Verbrauch zu drosseln, um einer weiteren Importsteigerung vorzubeugen, die nicht gleichzeitig durch eine entsprechende Exportsteigerung ausgeglichen werden konnte. Die Kennziffer der dänischen Industrieproduktion (1935 = 100) hat sich von November auf Dezember v. J. sehr stark von 169 auf 155 verringert, gegen 171 im Dezember 1950. Dieser Rückgang erstreckt sich nahezu gleichmäßig auf fast alle Industriezweige. Das aber, worunter Dänemark am meisten zu leiden hat, ist de Preisschere zwischen Import- und Exportpreisen. Obwohl Dänemark im letzten Jahr im Handel mit England, das immer noch wichtigster Kunde ist, eine nicht unwesentliche Preisverbesserung erreichte, genügt diese doch nicht, um Import- und Exportpreise in ein rechtes Verhältnis zu bringen. Es ist immer noch zu ungünstig, als daß es möglich sein könnte, die Besserung in dänischen Wirtschaftsleben zu erweitern und zu stabilisieren. Und gerade deshalb ist Dänemark, das alle Rohstoffe importieren muß, gezwungen, auf der ganzen Linie Vorsicht walten zu lassen, um die ohne Frage eingetretene Besserung im Wirtschaftsleben nicht erneut zu gefährden. Die dänische Handelsbilanz war im Januar leider wieder passiv, nachdem die beiden vorangegangenen Monate einen Exportüberschuß ergeben hatten. Die Einfuhren beliefen sich im Januar auf 639,6 Mill. dkr gegenüber Ausfuhren im Werte von 480,4 Mill., so daß ein Einfuhrüberschuß von 159,2 Mill. dkr verblieb. Im Vergleich zum Dezember v. J. ging der industrielle Export um 49 v. H. zurück, die Ausfuhr an landwirtschaftlichen Erzeugnissen um 7 und die Fischausfuhr um 5 v. H. Verständlich ist, daß Dänemarks Handel über das Ausmaß der englischen Importkürzungen leicht verschnupft ist und ein Anhalten der Krise im dänisch-britischen Handel bis zum Herbst befürchtet. Man rechnet vor allem für die Metallindustrie und die Fleischkonservenherstellung bereits im zweiten Quartal mit erheblichen Produktions- und Absatzschwierigkeiten.

Dänemark ist nur ein kleines Land. Ei weist aber eine Produktion auf, die unter normalen Verhältnissen durchaus in der Lage ist, den Wohlstand seiner Bevölkerung zu sichert. Und der Däne, der in seinem Lande den kooperativen Gedanken zum Grundpfeiler seiner Wirtschaft machte, setzt sich mit voller Kraft dafür ein, diesem Gedanken ebenfalls auf dem Weltmarkt Geltung zu verschaffen. Ohne Frage ist Dänemark eines der Länder, in denen der Marshall-Plan seine beste Probe bestanden hat. So gelang es u. a. den Industrieexport im letzten Jahre um 49 v. H. zu erhöhen, während der übrige Export nur um 15 v. H. stieg. Das ist aber nur dadurch möglich gewesen, daß man alles unterließ, was zu Experimenten führen konnte und durch entsprechende Regierungsmaßnahmen für die notwendigen Kontrollen sorgte,

Die dänische Wirtschaft hat dank der fortschreitenden Liberalisierung des Handels genügend Spielraum zu eigener Initiative. Hierfür gibt der Handel mit Deutschland ein nicht zu unterschätzendes Beispiel, was vor allem aus dem im Dezember 1951 abgeschlossenen Handelsvertrag mit der Bundesrepublik hervorgeht. Er zeigt, daß die Ausweitung des deutsch-dänischen Handelsverkehrs einen stetigen weiteren Fortgang nimmt; und sicher gibt es noch weitere Möglichkeiten, um den Warenaustausch zwischen beiden Ländern zu erhöhen. Das neue Abkommen umfaßt einen dänischen Export nach Deutschland in Höhe von 120 Mill. $ und einen entsprechenden Export deutscher Waren nach Dänemark. Deutschland hat damit nicht nur seinen Platz als zweitwichtigster Staat im dänischen Warenverkehr mit dem Ausland behauptet, sondern sogar verbessert. Die Dänen bedauern nur, daß der Käse noch nicht auf die deutsche Freiliste gekommen ist und daß stattdessen noch ein deutscher Einfuhrzoll auf Käse besteht.

Die gegenwärtige Wirtschaftslage Dänemarks wird durch einen ’gedämpften Optimismus charakterisiert, der im wesentlichen auf der Hoffnung beruht, daß es 1952 gelingen wird, die Lage am Weltmarkt weiterhin zu stabilisieren. Und hierbei hofft man insbesondere, daß es England gelingt, das englische Pfund wieder von den Lasten der Auslandsverschuldung freizumachen und so zu festigen. Es ist daher die dänische Taktik, vorläufig alles zu unterlassen, was die vorsichtige Wirtschaftspolitik des Landes stören kann. Allerdings ist man darüber besorgt, daß die dänischen Importeure, die als Folge der Kreditbedingungen im steigenden Umfange. Kredite seitens ihrer ausländischen Lieferanten erhalten haben, diese Kredite eines Tages wieder kurzfristig abwickeln müssen.