Verkehrsfeinde könnte man sich zur Not noch vorstellen – es wären friedliche Idylliker, die großstädtisches Gewühl aus ganzer Seele hassen –, aber Verkehrsfreunde kann man sich nicht vorstellen, und gerade diese existieren. „Lieber Verkehrsfreund“, so heißt die Anrede, wenn die Hamburger Polizei mit ihnen brieflich verkehrt. Und man darf nichts Unmoralisches dabei denken, aber leider auch nichts Moralisches.

Aus solchem Polizeibrief entnahmen wir mit eigenen Augen, daß die „Verkehrsfreunde“ eine zivile Organisation sind, deren Mitglieder den Verkehr beobachten, und wenn sie einen Verkehrssünder sehen, gleich zeigen sie ihn an. Die Polizei schreibt ihnen dafür freundliche Briefe. Allerdings stand in dem Brief, den wir lasen, es seien leider zu wenig Anzeigen gekommen, und daher werde der Verkehrsfreund gebeten, sich rückzuäußern, ob er fortan fleißiger anzeigen wolle oder nicht, sonst könne er nämlich kein Verkehrsfreund mehr sein. Der Briefempfänger – ein vom demokratischen Geist seiner Vaterstadt Hamburg wahrhaft erfüllter Mann – sagte, er würde es, erhielte er noch weitere solcher Briefe, so weit treiben, daß er, statt Verkehrssünder zu nennen, die Namen der Verkehrsfreunde bekanntgäbe, damit die Hamburger Kinder „Petze, Petze“ riefen, kämen Verkehrsfreunde des Wegs daher. M