Unsere Kollegin Ilse Elsner war offenbar gründlich pessimistisch gestimmt, als sie neulich unter der Überschrift „Die Klippe der Gleichberechtigung“ („Die Welt“ vom 18. März) einiges über die Frauenarbeit schrieb und es beklagte, daß da „allgemein eine erhebliche Unterbewertung“ festzustellen sei. Vor allem die Industriezweige, bei denen die Frauenarbeit überwiegt und vergleichbare Männerlöhne fehlen, erscheinen ihr als „Sorgenkinder“: Bekleidungs-, Textil-, Nahrungs- und Genußmittel- (Zigaretten-) Industrie, Radioröhrenfabrikation. „Den Durchschnitt so typischer Frauenlöhne‘ kann man getrost noch heute bei 80 bis 85 Pfennigen in der Stunde ansetzen“, schreibt Frau Elsner. Vorher hatte sie (fast richtig) festgestellt, daß Frauenarbeit im großen Durchschnitt für das Bundesgebiet 110 Pfennige je Stunde an (Brutto-) Lohn bringt: falsch war nur, in diesem Zusammenhang von „Facharbeiterinnen und angelernten Arbeiterinnen zusammen“ zu sprechen, und zu verschweigen, daß es außerdem noch die „weiblichen Hilfsarbeiter“ (so sagt die Statistik) gibt, deren geringere Löhne den Gesamtdurchschnitt der Frauenlöhne nach unten drücken. Und erst recht falsch war es, diesen niedrigeren Durchschnitt mit dem Lohn des „angelernten“ Mannes oder sogar des „Facharbeiters“ zu vergleichen.

Wie aber steht es nun mit dem Durchschnitt „typischer Frauenlöhne“, in Höhe von angeblich 80 bis 85 Pfennigen je Stunde? Für September 1951 liegt die Hamburger Statistik vor; danach wurden verdient, Facharbeiterinnen, Angelernte und Hilfsarbeiterinnen zusammengerechnet, brutto je Stunde in den Sparten:

Bekleidung 105,6 Elektrotechnik 125,3

Textil 116,4 Feinmechanik 114,3

Nahrungs-und Chemie 108,2

Genußmittel 108,9 Kautschuk 133,4

Papierverarbeitg. 104,3 Kunststoffe 119,0