Dü. Köln, im März

Die Kölner Möbelmesse – durchaus ein wirtschaftliches und kulturelles Ereignis – führte nach zweijähriger Pause rund 400 Aussteller mit vielen Einkäufern des westdeutschen und westeuropäischen Handels zusammen. Die Industrie versprach sich von ihrem Angebot eine Belebung der Nachfrage, und der Handel vergab in Köln dann auch seine Aufträge (zu durchweg guten Preisen) – weder zögernd noch stürmisch. In den Fällen, wo die Industrie unter Preisvorbehalt abschloß, disponierte der Handel vorsichtigen Im allgemeinen dürfte die Messe für die Industrie eine Verbesserung ihres Auftragbestandes erbracht haben, worin auch einige gute Exportgeschäfte eingeschlossen sind. Die wirtschaftlichen Erwartungen der Möbelmesse, die die einzige ihrer Art im Bundesgebiet ist und von Fachleuten als die wichtigste Fachmesse der gesamten europäischen Branche bezeichnetwird, wurden erfüllt.

Für den Möbelstil scheint die „Mainlinie“ die Funktion einer Geschmacksgrenze zu haben. Während die westfälisch-lippischen Möbelhersteller nach wie vor – neben zweifellos guten und sauberen Einzelformen – in der Serie die gebuchteten, marmorierten, aber offenbar nördlich des Mains „gängigen“ Groß-Wohnküchen- und Schlafzimmerschränke zu bevorzugen scheinen, zeigte die süddeutsche (vor allem die württembergische) Möbelindustrie eine wohltuende Stilreinheit, die selbst da erhalten blieb, wo man auch im Süden maßvolle Konzessionen an den Käufergeschmack machen müßte. In der Gegenüberstellung von „Möbelkultur“ und „Möbelwirtschaft“ stimmte die Messe nachdenklich. Es ist nur schwer einzusehen, warum der Industrie keine geschmackbildende Stilerziehung – auch ohne Verzicht auf Rentabilität – gelingen sollte.