Chris Marker: Die Untrüglichen. Roman. (Aus dem Französischen übersetzt von Walter Maria Guggenheimer, Verlag der Frankfurter Hefte, Frankfurt a. M., 208 S., Leinen 9,80 DM.)

Über den Dschungeln Indochinas gerät ein Postflugzeug in Sturm und Gewitter. Der Pilot ist allein in der Luft geblieben. Er jagt „im blinden Galopp eines Zirkuspferdes über die Wolken hin“, verliert die Orientierung, seine. Kontrollinstrumente fallan aus. Unter ihm. Wald oder Meer, nirgends eine Möglichkeit zur Landung. Aus seiner Empörung gegen die Macht der Elemente wird Angst, wird Todesfurcht, die in seiner Brust, zwischen seinen Schultern gräbt.

Auf der Flugstation ringt der Leiter der Postlinie mit der Ohnmacht seiner Instrumente. Die Position der Maschine ist nicht festzustellen, der Pilot nicht zu leiten. Es ist sein bester Mann, sein Freund. Er verfolgt alle Möglichkeiten auf der Karte, peilt alle Stationen an. Er wehrt sich „gegen die Geister der Luft und gegen die Willkür der Gewitter mit gebändigten Wellen“.

Hong 33. Ein Notlandeplatz inmitten des Dschungels. Den Wächter hat das Fieber gepackt. Es jagt ihn, der sich hilflos in seinem Bett wälzt. Die Geräusche des Waldes erschrecken ihn, er kann sie nicht mehr unterscheiden. Sie dröhnen, ein „riesiger Elefantenfuß, der sich über der Hütte wie ein grotesker Metronom wiegt“, ein gigantischer „Krebs mit Metallmaske“, „ein erlesener Vampir aus Lack und Bändern“,

Eine Frau wartet auf den Geliebten.

Endlich läßt der Sturm nach. Der Funker kann den Piloten nach Hong 33 dirigieren. Die Maschine taucht in die Bäume. Der Gerettete läßt die Nacht hinter sich und steigt hinab ins Leben. In der Hütte bäumt sich der Fieberkranke auf, erschießt den Flieger und sich selbst. Helene, die Geliebte, „tritt ein in den Spiegel der Erinnerung“, „gekleidet in jene hohe Gleichgültigkeit, die ihr einziger Witwenschleier sein wird“.

Das außerordentliche, durch seine inneren Spannungen atemberaubende Buch hat seinem jungen Verfasser 1951 den Prix Orion eingetragen. Man wird es unter die großen Beispiele der Fliegerliteratur rechnen müssen, denn Marker ist kein Epigone Saint-Exupérys. Auch sein Roman erzählt von der erhabenen Einsamkeit der Pilotenexistenz; aber er läßt sie zum Gleichnis werden für die Verlorenheit des Menschen in der technischen Welt. Was alle verbinden soll, der Weltverkehr, treibt sie nur noch stärker in die Isolierung. Cornelius Colon