an fühlte sich lebhaft an Eichendorff („O Täler weit...“) erinnert, als in Frankfurt neulich die Arbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels im Lande Hessen (auf Einladung der Pressestelle Hessischer Kammern und Verbände) über Situation und Konjunktur berichtete. Mit dem Unterschied freilich, daß in dem Bilde, das Geschäftsführer Dr. Thomas gab, allein die Täler (der Konsumenten-Kaufzurückhaltung nämlich) „weit“ sind. Höhen hingegen erscheinen selten in der letzten Zeit ... Einsam ragt nur die Spitze des Weihnachtsgeschäftes nach vorangegangener Flaute. Auf einen schroffen Umsatzrückgang im Januar folgte der Saisonschlußverkaufs-Boom („das war beispiellos“, resümierte ein Warenhausdirektor; alles nickte beifällig), und dann erneut ein scharfer Abwärtstrend.

Man registriert eine abwartende Haltung der breiten Verbraucherschicht in den sich dehnenden Intervallen zwischen Festen und Ausverkäufen, disponiert also kurzfristig („die optimistisch Disponierenden sind im Vorjahre hereingefallen“), hält die Läger klein („wir können ja jederzeit nachdisponieren“). Die stetige Beschäftigung der Industrie wird zwar durch die Vorsicht des Handels gefährdet – aber: dieser „muß sich nach den Verbrauchern richten“. Darauf ein Industriesprecher: „Nähmen wir die gleiche Haltung ein, träten auch wir kurz und bildeten wir keine Läger, so könnte der Handel zu Ostern oder Pfingsten eventuell große Überraschungen erleben. Er soll nicht zu vorsichtig sein; denn jeder zusätzliche Arbeitslose bei der Industrie ist für beide Teile ein Käufer weniger.“ ... Und just das Ostergeschäft will der Handel als „Prüfstein für das Verhalten der Verbraucher“ werten.

Anliegen des Einzelhandels: Stärkere Rationalisierung (sobald steuerliche Anreize realisiert), nämlich „vernünftige Beschränkung des Sortiments zwecks Preisverbilligung“. In diesem Zusammenhange sei nicht vergessen, daß in einem mittleren Geschäft der Radiobranche, bei dem im Jahre 326 Typen durchliefen, von denen 112 nur einmal verkauft wurden, 85 v. H. des Umsatzes auf „ausgefallene“ Typen entfielen. Trotzdem wäre es sicher nützlich, der zunehmenden Nachfrage-Spezialisierung („das geht ins Uferlose“) bereits in der Produktion gewisse Grenzen zu ziehen – ohne daß jene öde Uniformität am Ende zu stehen brauchte, die kollektivistischen Systemen eigen ist.

Was die Konjunkturkurve anbelangt: Man kann das Geschäft von 1952 nicht an den ersten drei Monaten ablesen. Man dramatisiere nicht, sondern vergleiche dieses Jahr statt mit dem („phantastischen“) 1951 besser mit 1950. Man rede nicht von Sättigung des Nachholbedarfs, sondern denke nur an die große Zahl der Vertriebenen, deren Bedarf an Textilien, Bekleidung, Schuhen eben noch nicht befriedigt ist. Die Frankfurter Frühjahrsmesse hat im übrigen bewiesen daß Zuversicht nicht fehl am Platze ist. „Langsam und sicher“ ist gesünder als „hektisch und variabel“. Dr. Thomas dachte gewiß nicht an Autosuggestion à la Coué, als er den Pessimismus „per se“ ablehnte. Ein ausgeglichenerer Geschäftsverlauf bleibt ohnehin der Wunsch aller Beteiligten. H. B.