N. Zürich, im März

Die westliche Rüstungskonjunktur hat die schweizerische Wirtschaft in eine Lage gebracht, die in Europa keine Parallele finden dürfte: Der sprunghaft angewachsene Export ist für sie zu einer ernsten Sorge geworden, er trägt den Keim böser Komplikationen in sich.

1951 hat der Totalexport die Rekordziffer von 4691 Mill.sfrs. erbracht und damit den Export von 1950 um 795 Mill. überstiegen. Gleichzeitig sind aber die Einfuhren der Schweiz so bedenklich geschrumpft, daß den Lohnsummen, die die Überbeschäftigung in die Wirtschaft pumpt, keine genügenden Warenmengen gegenüberstehen. Die Preise steigen also. Und daß der Import derart rückläufige Ziffern zeigt, kommt wieder von der ungenügenden Lieferfähigkeit der in der EZU vereinigten schweizerischen Absatzländer. In der EZU hat die Schweiz, obwohl sie im letzten Jahr statt Waren für 201 Mill. srfs. Gold angenommen hat, noch immer eine starke Gläubigerposition inne. Mit 621 Mill. srfs. ist der Saldo der Schweiz gegenüber, der EZU aktiv.

Da für diese Gelder die Warenlieferungen aus dem Ausland fehlen, stehen heute zwei Fragen, im Vordergrund der witschaftspolitischen Diskussion. Vor allem die, ob die weitere Zugehörigkeit der Schweiz zur EZU mit den schweizerischen Wirtschaftsinteressen verträglich ist, trat doch Bern dieser Organisation in einer Zeit rückläufiger Exportbewegung bei und hoffte durch sie den Ausfuhrplafond zu erhöhen. Inzwischen hat sich aber gezeigt, daß die internationale Rüstungskonjunktur dem schweizerischen Export ganz automatisch solche Chancen gibt und daß sich – dies ist die zweite wirtschaftspolitische Frage dieser Woche – eher eine Ausfuhrrestriktion als eine Exportförderung zu empfehlen scheint ...

Die inflationären Folgen der gegenwärtigen Überbeschäftigung bei gleichzeitiger Lieferunfähigkeit so vieler Außenhandelspartner werden immer deutlicher. Die Waren werden – knapp und ziehen durch ihre ansteigenden Preise die Löhne nach sich, die zugleich durch den immer schwerer zu stillenden Arbeiterbedarf der Exportindustrien ihren Auftrieb bekommen und die Preise nun ihrerseits wieder hochziehen. Man rechnet mit erneuten Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln, und auch die Brennstoffpreise zeigen eine dauernd steigende Tendenz. Es gilt als gewiß, daß diese Tendenz nach oben ihre Auslösung von der zu starken Geldflüssigkeit im Inland erhält (die wieder durch wachsende Mengen europäischer Fluchtgelder genährt wird), so daß schweizerische Wirtschaftskreise eine Bekämpfung der drohenden Inflationsgefahr durch Einschränkung der Exporte auf jenes Limit vorschlagen, das den Importen entspricht, während gleichzeitig alle Anstrengungen gemacht werden, die Inflationsdrohung mit einer Steigerung der Produktivität energisch zu bekämpfen;