Die in unserm letzten Bericht geschilderte schwache Tendenz auf den Rohstoff- und Warenmärkten der Welt bat sich in den vergangenen. 14 Tagen noch verstärkt. Zwar sind die akuten Krisen auf dem ägyptischen Baumwollmarkt und den verschiedenen indischen Märkten inzwischen durch Hilfsmaßnahmen der Regierungen eingedämmt worden; die Hamster- und Spekulationskäufe des vorigen Jahres aber haben zu weiteren größeren Einbußen auf anderen Märkten geführt. Auch bei uns sind neue Verluste bekannt geworden, die Jedoch lange nicht den Umfang erreicht haben wie etwa in England und neuerdings in Japan. Gemeldet werden mehr oder weniger empfindliche Rückschläge – außer auf dem schon früher erwähnten Textilgebiet und in dem Markt für Die und Fette – auf dem Getreide- und Futtermittelmarkt und auf dem Häute- und Ledermarkt.

Zu einem Gefahrenherd allererster Ordnung scheint sich nach den letzten von drüben vorliegenden Nachrichten Japan zu entwickeln, Wo eilte unbekümmerte Überproduktion zu einer tiefgehenden industriellen Krise geführt hat. Auch hier hat die Regierung sofort eingegriffen und Zunächst die Spinnereien angewiesen, ihre Produktion um 40 v. H. zu drosseln. Weitere ähnliche Maßnahmen erscheinen notwendig, Weil Fabriklager und Lagerhäuser kaum noch die Überschußproduktion von Gummiwaren, Chemikalien, Papier, Erzeugnissen der Öl- und Fettindustrie und von Eisen- und Stahlprodukten aufzunehmen in der Lage sind. Für die Gummiindustrie, die bereits Ware zu Preisen auf den einheimischen Markt bringt, die unter den Gestehungskosten liegen, soll eine Produktionseinschränkung um 30 v. H. geplant sein; die Kunstfaserindustrie hat aus eigenem Antrieb eine Einschränkung vorgenommen, und von den Leitern der übrigen betroffenen Industriezweige werden ähnliche Vereinbarungen angestrebt. In England, wo sich die Kreise der Ausfuhrindustrien sehr eingehend mit dieser Entwicklung beschäftigten, fürchtet man eine Konkurrenz japanischer Waren auf den Märkten jenseits des Suezkanals zu Dumpingpreisen, über die vor dem Kriege von englischer Seite so oft geklagt wurde. Die Schatten über der gesamten Textilindustrie der „Welt haben sich in den letzten Wochen weiter verstärkt. In England hat man de bedrohte Lage dieser besonders wichtigen englischen Ausfuhrindustrie vor wenigen Tagen im Unterhaus besprochen: dabei wurden von der Regierung eine Beschleunigung der Aufträge sowie Maßnahmen zur Eröffnung neuer Märkte verlangt. Beides hat der Präsident des Handelsamtes zugesagt, doch wies er gleichzeitig darauf hin, daß bereits ein beträchtlicher Teil der Rüstungsaufträge vergeben worden sei, daß aber die Gesamtaufträge des vierjährigen Aufrüstungsprogramms nicht mehr als 10 v. H. der Textilproduktion eines Jahres ausmachten und deshalb eine fühlbare Besserung der Beschäftigung der Textilwerke von ihnen nicht zu erwarten sei. Demgegenüber wurde von anderer Seite festgestellt, die australische Beschränkung der Textileinfuhr um 60 v. H. werde zur Folge haben, daß neue Textilaufträge von Australien für mindestens ein Jahr nicht zu erwarten seien, da die verbleibenden 20 v. H. durch die bereits erteilten Aufträge mehr als gedeckt vären.

Ebenso wie in England, in Japan und in Indien hat sich die Textilwarenabsatzkrise auch in den USA, wo sie schon im vorigen Jahre begann, noch verstärkt. Bei den öffentlichen Ausschreibungen des Heeresbeschaffungsamtes wird von den Tuchfabriken ständig Ware unter den Selbstkosten angeboten, und sie werdet ihrerseits noch von Grossisten unterboten, die sich übernommen haben und ihre Bankvorschüsse abdecken müssen. Das Ausland kauft nur spärlich, weil auch dort Absatzsorgen bestehen und Jeder mit Preisermäßigungen rechnet

Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß die Textilmärkte auch in der Berichtsperiode flau lagen. Die New Yorker Lokonotierung für Wolle Ist um über 10 cts auf 133,50 cts je lb zurückgegangen. Ebenso haben die Preise auf den Londoner Wollauktionen der vergangenen Woche eine neue Abschwächung erfanren. Neuseeländer Crossbreeds haben sogar um 7 1/2 bis 10 v. H. nachgegeben, so daß die Londoner Agenten der Neuseeländer Wollkommission Stützungskäufe unternahmen. Um der englischen Wollindustrie zu helfen, hat das Handelsamt ein zeitweiliges Einfuhrverbot für japanische Tuche erlassen. – Der ägyptische Baumwollmarkt ist von der Regierung des Landes dadurch gestützt worden, daß sie sich bereit erklärte, jede Menge Baumwolle alter Ernte, die ihr angeboten wird, zum Preise von 125 Tallaris je Kantar für Karnak Julikontrakt und von 72 Tallaris für Ashmouni Augustkontrakt zu übernehmen. An der Baumwollbörse in Alexandria ist der Preis für Karnak inzwischen von 140,60 auf 131,10 Tallaris zurückgegangen, steht also dort nur noch um 6,10 Tallaris höher als der Stützungspreis. Gegenüber den Rückgängen auf den übrigen Baumwollmärkten hat der New Yorker Baumwollpreis eine Erhöhung von 41,75 auf 42,35 cts je lb aufzuweisen. Mit Hilfe von Dollaranleihen konnten von der großen Ernte 1951 bis Ende Februar bereits etwa zwei Drittel abgesetzt werden. Die Baumwollanbaufläche für 1952/53 wird amtlich auf 26,14 Mill. Acres veranschlagt gegenüber rund 28 Mill. im laufenden Jahr. Die Regierung erwartet daraus bei nicht allzu ungünstigem Wetter eine Ernte von mindestens 16 Mill. Ballen und will, wenn diese Zahl nicht erreicht wird, erneut eine Exportkontrolle und ein Zuweisungssystem für amerikanische Textilfabriken einführen.

Auf dem Markt für Öle und Fette ist in der Berichtsperiode ein neuer allgemeiner Preisrückgang eingetreten. Die stärksten Preiseinbußen haben zu verzeichnen Kopra mit 10 $ auf 120 $ je t, Leinsaatöl und Schmalz um je 1 ct auf 16,75 cts und 11,42 cts. Die Umsätze waren mäßig. In Washington haben Verhandlungen über eine eventuelle Herausnahme der Ole und Fette aus der Preiskontrolle begonnen, da die Notierungen schon seit längerer Zeit beträchtlich unter den Stopp-Preisen liegen.

Der Preis für Naturkautschuk hat In London um 0,40 d, in New York um 1/2 cts angezogen und steht jetzt auf 33,75 d und 35,50 cts je lb gegen 41,50 d und 46 cts je lb Anfang Januar. In den USA ist von der General Service Administration nach der Ermäßigung des Preises für synthetischen Kautschuk von 26 auf 23 cts je lb bald darauf auch eine Herabsetzung des Abgabepreises der GSA für Naturkautschuk tun 2 cts erfolgt. Der neue Preis wird auf die April- und Mailieferungen Anwendung finden.

Die offiziellen amerikanischen Preise für die NE-Metalle sind entgegen den Erwartungen des Handels, der eine Ermäßigung des Bleipreises erhofft hatte unverändert geblieben. Dagegen hat die englische Regierung den Abgabepreis für Blei wegen der Besserung der Versorgungslage innerhalb des Empires um 7 £ auf 163 £ pro t ermäßigt. Auch die englische Versorgung mit Zink hat sich gebessert, so daß nach den Auslassungen der Regierung bald mit einer erhöhten Zuteilung, an die Zivilverbraucher gerechnet werden kann. – Die Unterhändler der USA und Indonesiens haben sich endgültig geeinigt und einen zweijährigen Vertrag abgeschlossen, wonach Indonesien 18 000 t Zinn jährlich an die USA liefert zu 1,18 $ je lb für die ersten zwei Jahre, während der Preis für das dritte Jahr durch spätere Verhandlungen geregelt werden soll. Indonesien hat das Recht, weitere 2000 t Zinn jährlich zum Kontraktpreis anzubieten, und die USA sind verpflichtet, dieses Angebot zu akzeptieren. Von England sind weitere 23 000 t Blei an die Vereinigten Staaten verkauft worden, die in den nächsten fünf Monaten aus Kontrakten mit australischen, mexikanischen und peruanischen Produzenten geliefert werden sollen. Der Preis Ist nicht bekanntgegeben worden. Dagegen wird mitgeteilt, daß diese Transaktion zusammen mit dem früheren Verkauf von 30 000 t Blei Mitte Februar einen Gewinn von etwa 22 Mill. $ für England ergeben würde. ol