Wie nun, wenn ich dich, statt zu manövrieren, geküßt hätte?’... ‚ Dann wären wir in deinem Kuß zerschellt‘, antwortete Irene abwesend, und er konnte in ihren Augen lesen, daß der Gedanke ihr eine Lust war.“

Für solche Segelpartien – denn im Segelboot, so will’s der Autor des Stella-Romans „Herz im Hafen“, wird der Dialog gesprochen – hat sich „das deutsche Volk“ entschieden. Genauer: es hat die Lore- und Stella-Romane, Kostenpunkt 50 Pfennige, zu seinen Best-Sellern erwählt. So wenigstens schreibt’s der Verleger Fritz Mardicke auf dem Umschlag des Romans „Der junge Herr Wetterlind“. Und warum tat „das deutsche Volk“ dies? – Weil sich „der deutsche Leser für die Wahrung der Ordnung, des Rechts, des Guten, des Sauberen, des Gesunden, des Lebenstüchtigen entschieden hat“.

In der Tat: in den bunten Heften mit den deutschen Filmschauspielerinnen auf der Titelseite geht’s nicht ein bißchen unanständig zu. Vielmehr verläuft der Höhepunkt einer Liebesszene so: „,Vater hat mir gesagt, daß ... daß du mich liebst!’ Er zuckte zusammen. Die Zärtlichkeit in den Worten des jungen Weibes verwirrte ihn ... Und er küßte das liebende junge Weib, das aufgelöst vor Freude in seinen Armen lag.“

Das ist nur Schund – kein Schmutz. Ein anderer Verleger solcher Hefte hat freilich eine eigene Meinung. Er schreibt an einen Autor: „Die Romane sollen... mit Herz und Gefühl geschrieben sein. Das bedeutet nicht Kitsch.“ Und sein Publikum charakterisiert er so: „Es ist die kleine Stenotypistin oder Verkäuferin, die junge einfache Ehefrau... und die einfachere Frau zwischen 50 und 60 Jahren, die in den Romanen das wiederfinden will, was sie einst geträumt... oder auch versäumt hat.“

Die wöchentliche Auflage dieser Hefte geht in die Millionen, auf einen Käufer aber kommen mindestens fünf Leser. Und alle diese Frauen, Mädel, jungen Männer und – Kinder lesen die Geschichten von den blonden, geradgewachsenen, gesunden Helden und Heldinnen. Da wird der Schund gefährlich... Im übrigen ist es verwunderlich, daß solche Verleger noch Autoren finden. Denn die Autoren bekommen pro Roman manchmal nur 300 Mark. E. P. M.