Rlt. Düsseldorf, Ende März

Das Kartellgesetz sei vom Kabinett angenommen, liege zur Zeit bei der Hohen Kommission zur Gegenzeichnung und werde dann dem Parlament vorgelegt, erklärte der Bundeswirtschaftsminister auf einer vorzüglich gelungenen Unternehmerversammlung des Verbandes der Siegerländer Metallindustrie in Weidenau an der Sieg. Er erwarte von den Alliierten nunmehr keine besonderen Einsprüche mehr. – Aus dieser optimistischen Äußerung darf geschlossen werden, daß die alliierten Auffassungen über die Beschneidung der industriellen Kartellwünsche in dem Entwurf im wesentlichen ihren Niederschlag gefunden haben. Erhards Auslassungen lassen insoweit keine falschen Vorstellungen oder „stille Hoffnungen“ der interessierten Kreise mehr zu. Mit Schwung und Bekennermut pflanzte er seine voll auswehende Flagge „Wirtschaftsfreiheit“ in dies von der Natur nicht mit Reichtum gesegnete, aber durch Fleiß und Schaffenskraft seiner Menschen ausgezeichnete Siegerländer Städtchen vor rund tausend ihm begeistert zustimmender Männer der mittleren und kleinen Betriebe.

„Das Kartell läßt die Persönlichkeitswerte der unternehmerischen Wirtschaft matter werden; ich bin entschlossen, auch auf diesem Gebiet die Reste der Zwangswirtschaft auszuräumen. Vergessen Sie nicht, das Unternehmertum ist keineswegs zu ersetzen durch die Funktionärswirtschaft. Wir müssen jede Form von kollektivistischem Denken ‚totmachen‘, und zwar schon, wenn wir seinen ersten Ansatz erkennen. Und Kartelle sind Kollektivismus!“ Erhard schloß mit der Mahnung, zur höchsten Leistungssteigerung innerhalb des Unternehmertums zu kommen: nur so werde dem Verbraucher und damit dem deutschen Volke gedient und die freie Wirtschaft erhalten; „Ich weiß, das ist eine brutale Kur! Aber diese Kur ist die allein mögliche Stärkung der Verteidigungskraft der Unternehmerwirtschaft gegen die politischen und sonstigen Opponenten.“

In diesem Zusammenhang brachte Erhard eine wohl neue und recht überzeugungsstarke Kombination zur Diskussion, Er meinte, die Kartelle führten zur Forderung nach paritätischer Mitbestimmung und „dann haben Sie, meine Herren, den ganzen Wasserkopf der Mitbestimmung in Ihrer gesamten Wirtschaft drin“.

Einmütiger Beifall war das Echo.