München, Anfang April

Münchens Staatsopernballett, das unter Victor Gsovsky wieder europäischen Ruf erhalten hat, machte für viele „Moralisten“ wieder gut, was es durch seinen „Abraxas“ einst gesündigt hatte. Das neue Ballett des französischen Publizisten Antoine Goléa hat eine einwandfreie ethische Tendenz. Denn im „Weg zum Licht“ geht es um die innere Entwicklung eines jungen Menschen, der durch Irrtum, Verstrickung, Todeswünsche und Wahnsinn hindurch muß, bis er die reine Liebe in der Begegnung mit einem jungen Mädchen erkennt. Ein Per aspera ad astra im Bereich. des Eros also, ein abstrakter Idealismus, der etwas verschlüsselt und nebulos psychologisierend dem zu widersprechen scheint, was wir eigentlich von den Franzosen zu wissen glauben. Allein die Grenzen sind offenbar längst so verwischt, daß es nicht mehr ungewöhnlich scheint, wenn die Deutschen sachlich und klar dichten und komponieren, während die Franzosen „mystische“ Tendenzen bevorzugen.

Die Musik George Aurics ist, wie man hört, in nur zwei Monaten entstanden. Sie ist die Arbeit eines meisterhaften Illustrators, der die Lichter setzt, wo man sie braucht, aber sie ist nur denkbar im Rahmen des szenischen Balletts. Auric ist ja auch der Schöpfer der musikalischen Untermalung zu vielen Filmen Cocteaus. Wenn aber im Film selbstlose Unterordnung unter das optische Geschehen Pflicht ist, so hätte sich der Komponist des Balletts getrost mehr Freiheit erlauben können, mehr Freiheit und mehr Einfälle. – Die Leistung des Ensembles mit seiner Fülle tänzerischer Exerzitien war meisterlich. Man freute sich uneingeschränkt der Anmut und tänzerischen Disziplin Irene Skoriks, der beherrschten Gestaltungskraft Heino Hallhubers und der nuancierten Porträts Natascha Trofimovas, Nika Sanftlebens und Franz Baurs. E. B.

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Ein „Internationales Jazzfestival“ wurde in Paris eröffnet. Über dreißig Jazzkapellen spielen. Der amerikanische Negertrompeter Dizzy Gillespies eröffnete das Festival mit eigenen Kompositionen und Stücken von George Gershwin. Als weitere Solisten sind der Saxophonist Sidney Bechet und die Sopranistin Ella Fitzgerald angesagt. Das Jazzfestival steht unter dem Protektorat des französischen Handels- und Industrieministeriums.

Siegfried Buchenau, der Leiter des Marion von Schröder Verlages in Hamburg, wird am 3. April 60 Jahre alt.