Im Sommer 1952 führen – um ein bekanntes Wort abzuwandeln – alle Wege nach Helsinki. Die Zeiten sind vorüber, in der sportliche Betätigung und die Olympiade als ihr Höhepunkt Gegenstand des Interesses nur einiger weniger war. Sport und die modernen Olympischen Spiele sind im besten Sinne des Wortes Gemeingut der Völker geworden.

Ähnlich, wie in Finnland zahlreiche Besucher vor und nach den olympischen Tagen Gelegenheit nehmen werden, die Schönheiten des Landes kennenzulernen, so bietet sich in diesem Jahr auch für Schleswig – Holstein die ungewöhnliche Chance, eine große Zahl von Durchreisenden für seine landschaftlichen Schönheiten mit der glücklichen Synthese von Wald und Wasser zu interessieren. Schleswig-Holstein ist von jeher Fremdenverkehr stand im doppelten Sinne des Wortes gewesen. Für viele Erholungsuchende boten seine je 23 Badeorte an Nordsee und Ostsee ebenso wie die 23 Luftkurorte des Binnenlandes und die drei Heilbäder Ziel für eine Sommerreise. Andererseits war Schleswig-Holstein von alters her die Landbrücke zwischen Kontinentaleuropa und den skandinavischen Ländern mit regem Verkehr zwischen Nord und Süd. So zeigen denn auch seine Bahnen (Schienenlänge der Bundesbahn in Schleswig-Holstein 1512 Kilometer) und seine Straßen (64 Kilometer Autobahn, 1216 Kilometer Bundesstraßen und 2615 Kilometer Landstraßen erster Ordnung) eine ausgesprochene Nord-Süd-Bündelung, die durch Ost-West-Verbindungen zusammengehalten wird. Für die Olympiade bereitet der ADAC mit Unterstützung der schleswig – holsteinischen Verkehrsbehörden einen „Olympiade-Service“ vor, der den Kraftfahrer auf seinem Wege nach Helsinki an den wichtigen Durchreiseplätzen in Schleswig-Holstein mit den notwendigen Hinweisen auf die besten Verbindungen versehen, ihm gute Unterkunft vermitteln, ihn mit Karten und Plänen versorgen und auch sonst in jeder Weise versuchen wird, ihm die Reise durch Schleswig-Holstein so angenehm wie möglich zu machen. Wie stark neben dem Zielverkehr der Durchgangsverkehr ist, erhellt daraus, daß zum Beispiel im Juli 1951 am Grenzübergang Krusau nördlich Flensburg 50 251 passierende Fahrzeuge gezählt wurden, eine Zahl, die um die Zeit der Olympiade mit Sicherheit weit übertroffen werden wird und die bereits Veranlassung gegeben hat, einen großzügigen Umbau dieses Grenzüberganges in dänischdeutscher Zusammenarbeit vorzubereiten.

Entsprechend dem Durchgangsverkehr ist – nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem in ganz Europa ohne Vergleich dastehenden Anwachsen der Bevölkerung durch den Flüchtlingsstrom des Jahres 1945 – auch der Verkehr innerhalb des Landes gestiegen. Besonders markant ist neben einer Verdichtung der Zugfolge auf den Eisenbahnlinien das Anwachsen des Omnibusverkehrs auf rund 320 Linien, die auf 6350 Kilometer mit über 850 Omnibussen bedient werden.

Dieser Verbesserung des Binnenverkehrs läuft eine Entwicklung parallel, in deren Zuge in den letzten Jahren alte Verkehrsbeziehungen nach Skandinavien wiederangeknüpft und neue zusätzlich geschaffen worden sind. Hierfür sorgt schon Schleswig – Holsteins bekannteste Verkehrsader, der Nordostseekanal, der 1950 mit 45 000 passierenden Schiffen (1951: 52 600) vor dem Suezkanal mit 11 750 und dem Panamakanal mit 5500 lag und der nach der Nettotonnage mit 22,5 Mill. NRT hinter dem Suezkanal mit 30 und dem Panamakanal mit 28 Mill. an dritter Stelle folgte. Auch auf dieser bedeutenden Wasserstraße werden Gäste aus verschiedensten Ländern durch Schleswig-Holstein nach Helsinki fahren. Die Landpassage nach Skandinavien findet außerdem eine natürliche Ergänzung in zwei Schiffsverbindungen. Von Kiel nach Korsör (auf der dänischen Hauptinsel Seeland) führt eine tägliche Fährverbindung der Kieler Reederei GmbH., die in der Olympiadezeit verstärkt wird und die vor zwei Jahren als erste deutsche Passagierlinie nach dem Kriege eingerichtet wurde. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bundesbahn in Gemeinschaft mit der Dänischen Staatsbahn eine weitere Fährverbindung zwischen Großenbrode und Gjedser (auf der süddänischen Insel Falster) eingerichtet. Beide Fährverbindungen verkürzen den Landweg über Flensburg–Fredericia–Nyborg–Korsör–Kopenhagen ganz erheblich.

So sind denn in Schleswig-Holstein alle Vorbereitungen getroffen, dem Gast aus der Bundesrepublik und aus anderen Ländern die Verkehrsmöglichkeiten zu schaffen, die er von einem Fremdenverkehrsland, das in „der Bundesrepublik in der Bettenkapazität (1. 10. 51: 44 453) hinter Bayern und Nordrhein-Westfalen an dritter Stelle steht, erwarten darf. Das Fremdenverkehrsgewerbe wird den beachtlichen Erfolg der vergangenen Jahre – 1948 lag die Bettenkapazität erst bei 17 000, und auch heute noch gibt es in Schleswig-Holstein über 8000 ihrem ursprünglichen Zweck entzogene Fremdenbetten – noch dadurch steigern, daß es für das Jahr der Olympiade besonders intensive Vorbereitungen für den Empfang alter und neuer Gäste trifft. Wenn der Fremdenverkehr in Schleswig-Holstein im Umsatz im August 1951 die zweite Stelle unter den wichtigen Industriegruppen des Landes einnahm und wenn die Zahl der Gäste aus der Bundesrepublik 1949 bis 1951 (Saison vom 1. April bis 30. September) von 233 794 über 346 590 auf 398 027 und die Zahl der Ausländerübernachtungen in den gleichen Jahren von 13 190 über 47 848 auf 83 195 gestiegen ist, so sind dies nicht nur Zeichen dafür, daß Schleswig-Holstein von der Unterbringungs- und von der gastronomischen Seite her seinen Ruf als Fremdenverkehrsland ersten Ranges immer wieder bestätigte. Vielmehr erweist sich hierin zugleich die wichtigste Voraussetzung für ein wahres Ferienland: echte Gastlichkeit.