Warnend signalisiert die Bank deutscher Länder: „Die kurzfristigen Kredite der Banken an Wirtschaftsunternehmungen und Private haben in den letzten Wochen weiter beträchtlich zugenommen“ (so heißt es in dem am 24. März abgeschlossenen Monatsbericht). Allein bei den 480 wöchentlich berichtenden Instituten, auf die rund zwei Drittel des gesamten Kreditvolumens kommen, bezifferte sich die Zunahme (nach 257 Mill. DM im Januar) auf 377 Mill. im Februar und 241 Mill. in der ersten Märzhälfte.

Die Ursachen sind kein Geheimnis: Produktion und Beschäftigung beginnen die engen winterlichen Fesseln zu sprengen; das Zögern der Konsumenten bewirkt schwachen Absatz; verstärkte Lagerhaltung (namentlich in der Industrie), damit die Bindung nennenswerter Summen, sind die Folgen, und auch die bankmäßige Iavestitions-Vorfinanzierung schlägt offenbar weiterhin kräftig zu Buch. Um so mehr bedauert die BdL, daß sich die „Aussichten für die spätere Konsolidierung solcher Kredite, zumindest soweit sie von der Aufnahmefähigkeit des freien Kapitalmarktes abhängen, bisher noch kaum gebessert haben“. Denn: Noch immer ist es nicht klar, ob die Voraussetzungen insbesondere für ein merkliche Wiederbelebung der Wertpapiermärkte schon in Kürze erfüllt werden ...

Zwar fehlt es nicht an kontraktiven Faktoren, die einen Teil der Bedenken wegen der Kreditausweitung zerstreuen mögen. Da ist die Verringerung der Bankkredite an öffentliche Stellen, vor allem jedoch „eine nicht unbeträchtliche, die Virkung der Kreditexpansion auf das Geldvolumen wieder entsprechend neutralisierende Spartätigkeit“. Spareinlagenzuwachs (in Ziffern der 480 Berichtenden): rund 100 Mill. DM im Februar, 51 Mill. in den ersten beiden Märzwochen (112 Mill. im Januar). Setzt man vom Jmuar-Zugang die Zinsgutschriften ab (etwa 25 Mill.), die im Februar und März kaum ins Gewicht fielen, so wird dieser sogar übertroffen: die Sparer schlugen der „normalen“ Saisontendenz ein Schnippchen.

Wird dadurch das Fehlen von Konsolidierungsmöglichkeiten wettgemacht? Die BdL meint, dieses Fehlen sei – neben der betonten Liquiditätsvorliebe bei Wirtschaft und Publikum – „“eine der wesentlichsten Ursachen dafür, daß das Volumen der kurzfristigen Kredite und, gewissermaßen als Pendant hierzu, vor allem auch die liquiden Mittel der Wirtschaft fast ständig in einem Maße zunehmen, das bei der Ausrichtung der Kreditpolitik nicht übersehen werden darf“. Dieser Satz gibt einige Anhaltspunkte für das mutmaßliche Verhalten von Notenbank und Zentralbankrat in naher Zukunft. Sehr erfreulich sieht es nicht aus... Helmut Benecke