Die Hansestadt Lübeck konnte 1945 als den wohl einzigen erfreulichen Umstand die Tatsache für sich buchen, daß ihr Hafen von den Kriegsereignissen so gut wie völlig unberührt geblieben war. In der Folgezeit geschah dann noch manches, um seine technische Ausrüstung auf der Höhe zu halten.

Eine weit schwierigere Aufgabe war es, den Hafenverkehr wieder in Gang zu bringen. Nur schrittweise gelang es, unter Anstrengungen aller in Betracht kommenden Kreise in den rückliegenden Jahren voranzukommen und die Ein- und Ausfuhr wenigstens in etwa zu beleben. Wenn zur Zeit, nach Tonnen gerechnet, die Ein- und Ausfuhrziffern im Jahre 1951 sich denjenigen des Jahres 1938 zu nähern begannen, was gewiß ein schönes Zeichen für den Lebenswillen der alten Hansestadt ist, so dürfen doch hieraus keine voreiligen optimistischen Schlüsse gezogen werden. In den Umschlagziffern sind nämlich Posten enthalten, die als konjunkturell bedingt zu gelten haben.

Zweifellos hat der Schiffsverkehr mit den nordischen Ländern einen gewissen Aufschwung genommen; leider kann dies aber bezüglich der deutschen Ostsee-Küstenschiffahrt nicht gesagt werden. Hier betragen die verschifften Gütermengen zur Zeit gegenüber 1937 erst etwa 1/4 v. H. und sind damit praktisch bedeutungslos. Die Folgen der Ostzonengrenzziehung lassen in absehbarer Zeit schwerlich eine Besserung erhoffen, was in gleicher Weise auch für den Binnenschiffsverkehr von der Elbe her über den Elbe-Lübeck-Kanal gilt. Für die Weiterentwicklung des Lübecker Hafens wird es entscheidend darauf ankommen, endlich in den Seehafenbetrieben die angestrebte frachtliche Gleichschaltung mit Hamburg verwirklicht zu erhalten.

Bei einem Überblick über Lübecks Industrie bleibt, als mit dem Hafen unmittelbar verwandt, an erster Stelle der Schiffbau zu erwähnen. Lübeck verfügt hier neben einigen kleineren Betrieben über zwei Werftbetriebe von Ruf in Gestalt der Orenstein-Koppel und Lübecker Maschinenbau – Gesellschaft sowie der Flenderwerke AG. mit 2000 bis 3000 Beschäftigten. In der gleichen Größenordnung folgen das Hochofenwerk Lübeck AG., das Eisen, Kupfer, Zement, Betonteile und anderes mehr herstellt, die Firma Villeroy & Boch in Lübeck-Dänischburg und das Drägerwerk. Erhebliche Bedeutung kommt der Lübeck Werke GmbH, mit annähernd 700 Beschäftigten zu, die die Herstellung von Büchsenschließmaschinen, Lebensmittelbehältern aus Blech und Maschinen für die Lebensmittelindustrie betreibt. Als ähnlich gelagerter Betrieb sind die Stanz- und Emaillierwerke, vorm. Thiel Söhne AG. zu nennen. Nicht unerwähnt bleiben darf die Konservenindustrie in Gestalt der Lübecker Konservenfabrik Erasmi & Carstens GmbH., die daneben auch Zuckerwaren produziert, sowie die Ewers & Co. AG., die sich mit der Fabrikation von Konservendosen befaßt.

Diese Aufstellung, die im wesentlichen nur die Unternehmungen mit Beschäftigtenzahlen über 400 wiedergibt, hat die Vielfältigkeit der Lübecker industriellen Unternehmungen keineswegs erschöpft. Es wären mit einer Belegschaft von über 100 Köpfen noch rund 40 Betriebe aufzuführen, insbesondere namhafte Unternehmungen des Holzgroßhandels und der holzverarbeitenden Industrie, wie die Firmen Jost Hinr. Havemann & Sohn, Gebr. Krages, Brügmann & Sohn, Goßmann & Jürgens, Katz & Klumpp, ferner Nordischer Maschinenbau Rud. Baader mit Spezialmaschinen für die Fischindustrie, die weit über Lübecks Grenzen hinaus bekannte Marzipanindustrie, die Herrenkleiderfabrik Georg Rieckmann und die Chemische Fabrik Dr. Christian Brunnengräber. Weiter bleiben zu nennen die sehr bedeutende Fischindustrie in Lübeck und Lübeck-Schlutup mit einer Reihe von bekannten Unternehmungen, von denen hier, die Firmen Heinr. Ihde und „Hawesta“ besonders erwähnt seien, sowie eine Anzahl von eisenverarbeitenden Unternehmungen.

Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß es durch Bemühungen aller in Betracht kommenden Stellen gelungen ist, zusätzlich Industrie nach Lübeck zu ziehen. Hierunter fallen die Lübecker Baumwollspinnerei GmbH., die Berlin-Lübecker-Maschinenfabriken Bernhard Berghaus, das Greif-Werk (automatische Waagen), Industriewerke Karlsruhe in Lübeck-Schlutup und andere, mehr. Neben diesen Unternehmungen beläuft sich die Zahl kleiner und kleinster Industrieunternehmungen aus den Kreisen der Heimatvertriebenen auf etwa 130.