In dem Lob, das ein Kritiker kürzlich dem großartigen Schelmenroman „Die diebischen Freuden des Herrn von Bißwange-Haschezeck“ Martin Beheim-Schwarzbachs spendete, steht zum Schluß der Satz: „Ein Jammer nur, daß dieses schillernde Kleinod der Erzählungskunst nur in der Rororo-Reihe erschienen ist.“ Ganz davon abgesehen, daß Beheim – Schwarzbachs heiteres Buch vor Jahren bei Hans Dulk, Hamburg, erschien, können wir diesen Jammer um Rororo nicht teilen. 50 000 Exemplare – ist das ein Dreck?

Eben jetzt feierte Rowohlt den Tag, an dem das 50. Bändchen jener Taschenbücher erschien, die auf die Rowohlt-Rotations-Romane folgten. Drei Millionen Exemplare dieser rechten und billigen Buchreihe sind bisher, so teilten Rowohlt und sein Lektor Kurt W. Marek auf einer kleinen Feier mit, in die Hände der Leser gekommen. Und die Buchhändler, die zugegen waren, nickten Zustimmung, als es hieß: Rororo-Bände „erwirbt“ man nicht, man „nimmt sie mit“, und bei dieser Gelegenheit habe schon mancher Leser nicht nur einmal „rororo“ zu 1,80 mitgenommen, sondern auch andere, teurere Bücher gekauft.

Der 50. Band ist ein Rotationsdruck von Ernest Hemingways „Schnee auf dem Kilimandscharo“. Man kann auf dem Umschlag das Wort „Rororo-Gratis“ lesen, am Ende des Taschenbuchs aber einen Aufsatz Mareks über die Geschichte und den besonderen Effekt der Pocket-Books und Taschenbücher. Dieser Aufsatz könnte eine Anregung für den Buchhandel sein, sich energischer, als dies bisher geschieht, der Erforschung der Leserkreise und ihrer Wünsche zu widmen. Die deutschen Verlagsbuchhändler wissen im allgemeinen – sehr im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen – viel zu wenige Antworten auf die Frage: Wer liest, wer kauft welches Buch? Rowohlt, der das amerikanische Patent übernahm, anspruchsvolle Werke auf billigem Papier und in anreißerischem Umschlag als Massenartikel auf den Markt zu bringen, weiß immerhin, daß alle fünf Sekunden ein solcher Rororo-Band gekauft wird; er hat auch erfahren, daß eines der literarisch höchststehenden Werke, nämlich „Die Sonne Satans“ von Bernanos, am schnellsten verkauft wurde: 50 000 Exemplare in acht Tagen. Dies ist allerdings ein Argument, an dem alle Einwendungen zunichte werden, auch der Einwand, daß es wenig, fein sei, den Leser in seiner Lektüre durch Reemtsmas Zigaretten-Reklame zu unterbrechen. Wenn man hört, daß diese Reklame den billigen Preis der Taschenbücher überhaupt erst ermöglicht habe, dann sollte man eher folgern, hier sei ein Anzeigenchef als Mäzen tätig gewesen.

Die Amerikaner hatten dadurch die größten Erfolge, daß sie Pocket-Books in den Drugstores, Kiosken, Tabakläden und Hotelhallen feilboten. Bei uns halte? die Bücherkunden mehr dem Spezialgeschäft, der Buchhandlung, die Treue. Offensichtlich gibt es bei uns nicht so viele Menschen, die den geistigen Wert des Buches erst entdecken müßten. Ist dies richtig, so hat nicht das Anreißerische der übrigens nie geschmacklosen Aufmachung, sondern der billige Preis dieser geistig anspruchsvollen und nach dem Lumbeck-Verfahren solide ausgestatteten Taschenbücher den enormen Erfolg begründet. J.M.