Präsident Truman hat das große Jefferson-Jackson-Dinner in Washington zum Anlaß genommen, um seine immer wieder hinausgeschobene Entscheidung bekanntzugeben, daß er eine Nominierung der Demokratischen Partei zum Präsidentschaftskandidaten nicht annehmen werde. Aus früheren Äußerungen Trumans war zu ersehen, daß er bereit gewesen wäre, wieder zu kandidieren, wenn Taft der Präsidentschaftskandidat der Republikaner geworden wäre. Offenbar haben die großen Erfolge Eisenhowers bei den Vorwahlen den Präsidenten davon überzeugt, daß Tafts Chancen nicht mehr groß sind und daß der Nationalkonvent der Republikaner den General Eisenhower nominieren wird. Die unmittelbare Bedeutung der Entscheidung des Präsidenten liegt darin, daß durch sie für General Eisenhower das Signal auf „freie Fahrt“ gestellt wurde. Truman wäre der einzige beachtenswerte Gegner für Eisenhower gewesen. Nachdem er freiwillig verzichtet hat, steht dem Siege Eisenhowers wahrscheinlich nichts mehr im Wege. In Bonner politischen Kreisen drückt man sein Bedauern darüber aus, daß Truman, der viel für Europa getan hat, nicht mehr kandidiert.

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Auf den Bundeskanzler wurde ein Attentat geplant. Ein Unbekannter trat in München an zwei Schüler heran und bat sie, ein Paket für ihn bei der Post aufzugeben. Es war an Dr. Adenauer in Bonn adressiert. Die beiden, aufgeweckte Jungen, übergaben das Paket der Polizei. Beim Öffnen explodierte es und tötete einen Sprengmeister der Münchener Feuerwehr. Man fahndet nach einem Italiener namens Mario Mirelli. Französische Zeitungen erhielten aus Genf, wie Reuter berichtet, Briefe einer „Jüdischen Partisanen-Organisation“, in denen behauptet wird, diese Organisation sei für den Attentatsversuch auf Bundeskanzler Adenauer verantwortlich. Die Schweizer Polizei .erklärt hierzu, daß sie eine solche Organisation nicht kenne. Im Zusammenhang hiermit wird von englischer Seite an die Attentatsserie erinnert, die vor zwei Jahren von der Irgun Zwai Leumi gegen englische Offiziere und Politiker verübt worden ist und der der Bruder des Major Farrer zum Opfer fiel. Auch damals handelte es sich wie im Münchener Fall um Bücherpakete. Bei der bayerischen Regierung glaubt man, daß der Attentäter rechtsradikalen Kreisen angehört. (Siehe Seite 2: Bayern und die Bundespolizei.)

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Auf einer Tagung der katholischen Arbeiterbewegung in Recklinghausen widersprach der Bundeskanzler dem Vorwurf, daß er bei den Verhandlungen mit den Alliierten immer nur nachgegeben und Vorleistungen angeboten habe. Ihm sei es darauf angekommen, den verlorenen Kredit Deutschlands im Ausland durch eine klare Konzeption wiederzugewinnen.

Da die Bundesregierung diese Arbeit zeitweise durch zu freigebige Informationen seitens einer Anzahl von Beamten für beeinträchtigt ansah, besteht sie, wie es in Bonn heißt, auf der Weiterverfolgung des im vergangenen Jahr bekanntgewordenen Falls Platow. Im Zuge dieses Verfahrens wurden in den letzten Tagen zwei hohe Beamte des Bundeswirtschaftsministeriums, die mit der Kartellgesetzgebung beschäftigt waren, nämlich der Regierungsdirektor Dr. Eberhard Günther und der Ministerialdirektor Dr. Roland Risse, verhaftet. Zur gleichen Zeit beschloß das Bundeskabinett bei der Hohen Kommission scharfe Verwahrung gegen die Erteilung einer Ausreisegenehmigung für den Rechtsanwalt Kemritz einzulegen, der in hinterhältiger Weise 23 Deutsche der sowjetischen Geheimpolizei ausgeliefert hat. Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen wurden in der Oberpfalz vier Personen festgenommen.

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