„Fortuna lächelt Sie an ...“ – Die Spori-Astrologie

Zwar zieht mancher Mensch, ehe er wichtige Entschlüsse faßt, die Kartenlegerin und wenigstens den Kaffeesatz zu Rate und versäumt nicht die Lektüre der widerspruchsvollen, aber meist doch freundlichen Horoskope, die in den Zeitungen periodisch erscheinen. Aber allen diesen Einrichtungen fehlt in einem gewissen Grad der letzte Schliff: sie sind, weil sie in längst vergangenen Zeiten wurzeln, eben nicht modern genug. Daher kann man sie nicht auf solche Betätigungen anwenden, die erst neuerdings eine große Bedeutung erlangt haben, zum Beispiel auf den Sport.

Die meisten Astrologen sind wahrscheinlich bislang gar nicht in der Lage mitzuteilen, welches Sternbild auf die Bahn eines Tennis- oder Fußballs besonderen Bezug hat und inwiefern der Mars einem im Zeichen des Stiers geborenen Pferd zum Derbysieg verhelfen kann. Diese bedenkliche wissenschaftliche Lücke scheint jetzt geschlossen worden zu sein. Denn es verbreitet eine Presseagentur seit kurzem regelmäßig ein „Wochenend-Sport-Horoskop“. Hier erfährt zum Beispiel der im Zeichen des Löwen geborene Sportler, daß er zum nächsten Wochenende nichts zu befürchten braucht: „Fortuna lächelt Sie an und läßt Ihr Können erglänzen. Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Trainers, aber würzen Sie diese mit eigenem Instinkt, dann kommen Sie groß heraus. Vergessen Sie nicht, daß Sie auch Glück in der Liebe haben. Also: Ent- oder weder!“

Allerdings ist die Sache nicht immer so günstig. Das Glück wechselt ja von Woche zu Woche. Für die Skorpione zum Beispiel „heißt es am Sonntag sehr achtgeben, damit die Knochen heil bleiben“, und die Stiere „sind für den selbst ausgeübten Sport an diesem Wochenende nicht so günstig beeinflußt: sie haben aber Chancen, im Toto zu gewinnen. Es fragt sich nur, was ihnen lieber ist“, meint der Sportastrologe.

Es ist längst zur Praxis vieler Toto-Liebhaber geworden, nicht durch intellektuelle Spekulation, sondern durch Würfel die Chancen vorauszubestimmen. Ob sich die Sportastrologie als besseres Hilfsmittel erweist, das liegt noch in den Sternen.