In Eckernförde, dem reizvollen Ostsee-Badeort mit seiner zum Segeln einladenden Bucht, hat die J. P. Sauer & Sohn AG. Zuflucht gefunden, die 1751 als Kleinbetrieb in Suhl (Thüringen) gegründet worden war. Bereits 1763 stand sie im Wettbewerb mit der damals führenden französischen Fabrikation und war um die Wende des 20. Jahrhunderts eine international anerkannte Fabrik hochwertiger Jagdwaffen. 1500 Arbeitskräfte produzierten damals die besten und billigsten Jagdwaffen der Welt. Diese Entwicklung wurde 1945 von den Sowjets beendet; sie stellten die Fertigung auf sowjetische Kriegslieferungen um. Einige Familienmitglieder konnten sich rechtzeitig nach Westdeutschland absetzen und bauten mit tatkräftiger Hilfe aus den Trümmern der einstigen Torpedo-Versuchsanstalt in Eckernförde, das Unternehmen wieder auf. Modernste Präzisionsmaschinen erlauben einen Monatsausstoß von 2000 Flinten, und gegenwärtig sind 400 Arbeitnehmer beschäftigt. 20 v. H. von ihnen sind hochqualifizierte Gewehrspezialisten, die ihre thüringische Heimat Suhl mit der Eckernförder Bucht vertauscht haben. Draußen in der Welt ist es längst bekannt, daß Sauer-Jagdwaffen jetzt aus Eckernförde kommen: Exportaufträge gehen nach Pakistan, Abessinien, Indonesien und u. a. Südamerika ...

Für den gelegentlichen Besucher ist es durchaus nicht auf den ersten Blick erkennbar, daß Rendsburg, diese beschauliche Kreisstadt Schleswig-Holsteins, für das Land und darüber hinaus auch für Westdeutschland eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung hat. Und doch ist es so. Dafür sorgen mehrere führende Unternehmungen, die ihren Sitz in Rendsburg haben. Zunächst wäre die Kunstdüngerfabrik zu nennen, die mit ihrer sehr erheblichen Produktion der heimischen Landwirtschaft dient. Von größter Wichtigkeit aber ist (auch als Arbeitgeber für Rendsburg und Umgebung) die Ahlmann-Carlshütte AG., die den deutschen Markt und verstärkt wieder die Auslandsmärkte mit Badewannen, Herden, Öfen und Sanitätsguß beliefert und in diesem Monat ihr 125jähriges Firmenjubiläum feiern kann. Ferner muß die Werft Nobiskrug entsprechende Erwähnung finden. Sie konnte sich mit einem beachtlichen Anteil an dem Wiederaufbau der deutschen Flotte und vor allem am Exportgeschäft beteiligen. Daneben hat seit nunmehr drei Jahren die Wobbe-Radio GmbH. zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie produziert Rundfunkgeräte und Phonoschränke. Ihr „Präsident“ konnte sich einen beachtlichen deutschen Marktanteil sichern, und auch im Ausland sind die Rendsburger Geräte stark gefragt. -zke.

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Zu den Betrieben, die der Kieler Förde mit dem Wiederaufbau des Ostufers ein neues Gesicht geben, gehören auch die „Juvena-Werke“. Sie danken ihre Wiedererrichtung in der Bundesrepublik vor allem der hervorragenden Unterstützung der Deutschen Werke Kiel. Das Unternehmen, geleitet von Kurt Polster, verfügt im In- und Ausland über einen sehr guten Ruf; vor dem Kriege gehörte es zu den führenden und modernsten Werken Sachsens. Es wurden von ihm einst 1500 Menschen beschäftigt und täglich 300 000 Wäschegarnituren hergestellt. Damit war das Werk die größte europäische Unterwäschefabrik. Die Ausfuhr der Juvena-Erzeugnisse ging in 52 Staaten. Vor 1933 hatte der Jahresexport einen Wert von 3 Mill. RM. Und allein nach Schweden wurden im Jahr für 1 Mill. skr. Juvena-Wirk- und Strickwaren geliefert. Kurt Polster gründete im Herbst 1950 in Kiel sein neues Unternehmen und begann nach der Beschaffung der Maschinen und dem Anlernen der Arbeitskräfte im vergangenen Sommer mit der Produktion. Augenblicklich verlassen monatlich 50 000 Damenwäschegarnituren das Werk. Die Zahl der Arbeitnehmer soll sehr bald auf 300 anwachsen. Das Produktionsprogramm umfaßt Unterwäsche für Damen, Herren und Kinder und wird demnächst auf Pullover und Badeanzüge in der international bekannten Juvena-Qualität ausgedehnt werden.

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In aller Welt wissen die Fachleute der Hochfrequenztechnik, der Elektroakustik und der Feinmechanik, daß aus Kiel, hergestellt von der Electroacustic GmbH., hochwertige Spezialgeräte dieser Produktionszweige kommen. Vor 1945 wurden in der Hauptsache Luft- und Wasserschallanlagen für Nautik und Nachrichtentechnik entwickelt und hergestellt. Damit beschäftigte das 1926 gegründete Unternehmen mehr als 10 000 Menschen. Nach dem Zusammenbruch fertigte man Feueranzünder, Sägen, Werkzeuge, Tischlampen, Fußmatten und Rundfunkgeräte im Lizenzbau. Diese Produktion ließ die Belegschaft wieder auf 800 anwachsen. Der erste Schritt zu einer neuen Aufwärtsentwicklung war dann die Genehmigung zur Entwicklung und Herstellung von Echoloten für den Bedarf der Schiffahrt. Im Frühjahr 1950 konnte das erste mit Kathodenstrahlröhre arbeitende Fischsuchgerät „Fischlupe“ in Serienfertigung auf den Markt gebracht werden. Es hat sich in den rückliegenden zwei Jahren bei den Fischereiflotten der ganzen Welt bewährt und den Ruf der ELAC neu begründet. Auf dem Gebiet der Luftschalltechnik wurde ebenfalls ein großes Programm durchgeführt: Lautsprecher, Kinoanlagen, Schwerhörigengeräte, Wechselsprechanlagen und Plattenwechsler sind hier die wichtigsten Erzeugnisse. Bei den Plattenwechslern und -spielern hat das in den Forschungslaboratorien entwickelte Kristallsystem mit besonderem Recht den Ruf eines Spitzenerzeugnisses. Dieses System beruht auf dem piezoelektrischen Effekt, daß gewisse Kristalle, die durch Zug oder Druck verformt werden, elektrische Spannungen erzeugen. Die für dieses Kristallsystem, erforderlichen winzigen Kristallscheibchen werden in den ELAC-Laboratorien selbst geschaffen. Aus der Herstellungsgruppe der Hochfrequenztechnik müssen noch das Lichtzeigerlot und der Echograph als wichtige Hilfsmittel der Schiffahrt erwähnt werden. Hinzu kommen Mittelwellen- und Kurzwellensender, Notsender und ein automatisches Alarmgerät für Schiffe. Die Herstellung des Autoüberholmelders ergänzt die Produktion auf dem Gebiet der Elektroakustik, während man sich: auf dem Gebiet der Feinmechanik dem Bau von Nähmaschinen zugewandt hat. Sie werden als Hand-, Tret- und Elektronähmaschinen konstruiert, und es gibt eigentlich kein Land, in dem die aus Kiel kommenden Haushaltsnähmaschinen unbekannt wären. Im Durchschnitt werden 40 bis 50 v. H. der Produktion exportiert; aber bei nautischen Geräten sind es 80 v. H. Hier sind vor allem die Fischereiländer Island, Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und die Türkei Abnehmer. Daß unter den 800 Beschäftigten auch ein. gutes soziales Klima herrscht, ist in diesem modernen Betrieb, der sich den Spitzenleistungen deutscher Präzisionsarbeit verschrieben hat, eigentlich selbstverständlich. Besonders erfeulich aber ist, daß das betriebliche Vorschlagswesen mit größter Aufmerksamkeit gepflegt wird; man weiß eben, welchen Wert solche Vorschläge hinsichtlich der Verbesserung und Rationalisierung der Produktion haben.

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