Abraham Horodisch: Alfred Kubin als Bach-Illustrator. Mit 44 Textillustrationen und 100 Tafeln. (Verlag der Erasmus-Buchhandlung, Amsterdam; Auslieferung für Deutschland: Verlag Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg. Leinen DM 28,–.)

Gerade rechtzeitig zum 75. Geburtstag (10. April) Alfred Kubins kommt aus Holland ein repräsentativer Band, der diejenige Tätigkeit des großen Zeichners beleuchtet, die seinen Namen vor allem berühmt gemacht hat: das Illustrieren von Büchern. Er hat es nicht, wie etwa Slevogt, „nebenher“ betrieben; vielmehr ist es für ihn zur eigentlichen Lebensaufgabe geworden. Mehr als 160 verschiedene Werke der Literatur hat er seit dem Jahre 1908 illustriert. Heute ist vieles davon nicht mehr erreichbar; um so verdienstvoller ist Horodischs Überblick über das illustrative Gesamtwerk, aus dem die vorzüglich gedruckten Tafeln eine reiche und charakteristische Auswahl bieten.

Das Unwirklich-Traumhafte in Kubins Kunst war schon von Anfang an da: als das Grenzland von Bewußtem und Unbewußtem, als ein Dasein zwischen Wachen und Traum. Das Dämonische reizt ihn an. Für ihn ist ein Schatten ebenso real, wie die greifbare Wirklichkeit des Gegenstandes, der diesen Schatten hervorrrief. Denn: „... Vor uns Heutigen, wie eh und je vor den älteren Meistern, breitet sich immer noch das Meer der Welt. Einer Vision gleich, aller Rätsel voll, glitzert und verführt seine grenzenlose Oberfläche den Zeichner zur befreienden Tat.“

Christian Otto Frenzel