Der finnische Ministerpräsident Kekkonen hat sein Rücktrittsgesuch zurückgezogen. Er hat sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem eine Abordnung von 80 Persönlichkeiten seiner eigenen, der Agrarierpartei, ihn sechs Stunden lang bedrängt hatte, im Amte zu bleiben. Man sagte ihm zu, seine Stabilisierungspolitik nachdrücklich unterstützen zu wollen. Damit ist die Opposition innerhalb der Partei völlig zurückgedrängt worden.

Vor allem dank der Tatsache, daß Finnland seine Kriegsschulden an Rußland praktisch bereits bezahlt hat, war es dem finnischen Ministerpräsidenten Kekkonen in letzter Zeit gelungen, eine gewisse politische und wirtschaftliche Stabilität des Landes herbeizuführen. Um so überraschender wirkte dann am 22. März sein Rücktrittsgesuch. Es hatte wohl hauptsächlich den Zweck, die Opposition in der eigenen Partei zum Schweigen zu bringen.

Es ist kein Geheimnis, daß man für die kräftige Persönlichkeit Kekkonens in Finnland keinen Ersatz finden kann, zumal sein außenpolitischer Einfluß zusehends an Stärke gewonnen hat. Seit seiner „Pyjama-Rede“ – so genannt, weil sie vom Krankenbett aus gehalten wurde –, die eine Aufforderung an Dänemark enthielt, dem Atlantikpakt den Rücken zu kehren und sich mit Finnland und Norwegen zu einem gemeinsamen Verteidigungsblock zusammenzuschließen, hat sich seine Position bei dem großen russischen Nachbarn wesentlich gefestigt. Natürlich versuchte die kommunistische Presse, Kekkonens Rücktrittsabsichten dahin zu interpretieren, daß dieser mit dem außenpolitischen Kurs der Koalition in Widerspruch stehe. Doch herrscht in diesem Punkt unter den Regierungsparteien völlige Einigkeit.

Das große Prestige des Chefs der Koalitionsregierung hat sich erneut erwiesen, denn sowohl aus Helsinki wie aus der gesamten Provinz wurde ihm in zahlreichen Resolutionen das Vertrauen ausgesprochen. Auch dem Einfluß des Staatspräsidenten Paasikivi, der mit Kekkonen eng befreundet ist, mag es zuzuschreiben sein, daß der Ministerpräsident auf seinem Posten verblieb. Kekkonen sitzt nun stärker als je im Sattel und wird den Prestigezuwachs besonders bei der Verfolgung seiner außenpolitischen Ziele als ein wertvolles Aktivum buchen können.

Engdahl-Thygesen