Von Günther Schlicht, Vorstandsmitglied der Deutschen Erdöl-AG (DEA)

Die Gewinnung von Erdöl aus deutschem Boden ist in den letzten Jahren beachtlich gestiegen: Sie betrug 1,37 Mill. t in 1951 und lag damit um 790 000 t höher als in 1947, dem tiefsten Nachkriegsstand. Für 1952 steht eine Förderung von wenigstens 1,65 Mill. t in Aussicht, und es ist zu erwarten, daß diese Aufwärtsentwicklung anhält, so daß 1953/54 die 2-Mill.-Tonnen-Grenze überschritten werden kann.

105 Bohrgeräte waren 1951 eingesetzt und bohrten insgesamt 403 591 Davon entfielen 294 504 m auf Gewinnungs- und 109 087 m auf Aufschlußbohrungen. Diese Zahlen kennzeichnen einen Leistungserfolg, der durch eine Unsumme von Entwicklungsarbeit sowohl in der Erdölindustrie als auch in der deutschen Zulieferindustrie für Bohrgeräte und Ölfeldbedarf vollbracht wurde.

Die Kriegs- und die erste Nachkriegszeit hatten die deutsche ölfeldtechnik zwangsläufig in einem technischen Rückstand verharren lassen. Seitdem nach der Währungsreform die Behinderungen durch Materialmangel und unzulängliche Arbeitsleistungen fortgefallen waren und nun wieder die Möglichkeit’ zum Erfahrungsaustausch und zum Bezug neuzeitlicher Geräte aus dem Ausland bestand, begann ein rasches Nachholen des bisher Versäumten. Dank der neuzeitlichen Technik konnte nicht nur rascher gebohrt werden, sondern es stiegen auch die Tiefenleistungen. Bei einer Aufschlußbohrung wurde eine Tiefe von 3 841 m erreicht, die Tiefen der Fundbohrungen sind inzwischen auf rund 2 200 m vorgerückt. Die tiefste amerikanische Aufschlußbohrung erreichte demgegenüber 6255 m, die tiefste amerikanische Fundbohrung fördert aus 5 063 m. – Der Haupterfolg dieser Tiefenfortschritte ist die Ausweitung der Erdölmöglichkeiten in größere Teufenlagen, d. h. der „vertikale Aufschlußfortschritt Es ist bereits jetzt vorauszusagen, daß auch in Deutschland Erdöl in Tiefen von über 3000 m gefunden werden wird.

Auch auf dem Gebiet der Erdölförderung wurden die Erfahrungen neuzeitlichster Technik angewendet. Die neuerschlossenen deutschen Erdölfelder werden ebenso rationell bearbeitet, wie dies in den USA geschieht. – Die gekennzeichnete Aufwärtsentwicklung, für die in Nordwest- und Süddeutschland noch weitere günstige Prognosen zu stellen sind, hat die deutsche Erdölindustrie nicht nur vor technische Probleme gestellt, sondern auch vor sehr erhebliche finanzielle Aufgaben. Die Modernisierung der Ölfeldtechnik in allen ihren Zweigen (z. B. Bohrgeräte, Gewinnungsanlagen und Hilfsbetriebe, wie Werkstätten und Transportwesen) erforderte erhebliche’ Geldmittel. Große Aufwendungen mußten für den Nachholbedarf an Geophysik und Aufschlußbohrungen gemacht werden, die Sich noch laufend fortsetzen. Zu den Explorationskosten kommen sodann die Aufwendungen für die Entwicklung der fündigen Felder. Diese erfordern – neben den eigentlichen Betriebseinrichtungen – Werkstätten, Tankraum, Kläranlagen, Transportvorkehrungen und Wohnraum.

Weitere Mittel bedingt die moderne Fördermethodik. Im Gegensatz zu früher, als man jede Bohrung unbeschwert produzieren ließ, um rasch Geld für kommende Finanzierungsaufgaben zu erlangen, muß heute grundsätzlich anders verfahren werden. Ein neues Erdölfeld darf nicht eher in nachhaltige Produktion genommen werden, als bis man durch eine größere Zahl von Fundbohrungen die Lagerstättenverhältnisse genau untersucht hat, zur Ermittlung der im Interesse höchstmöglicher Ausbeute anzuwendenden Produktionsintensität. Es müssen weiterhin die gesamten Einrichtungen für die Ansammlung und Verwertung des mit dem Erdöl anfallenden Gases vorweg errichtet werden, um diesen Energieträger den Lagerstätten im Kreislaufprozeß so bald wie möglich wieder zuzuführen. Im Hinblick auf diese Kostenlage ist es ein empfindlicher Mangel, daß die vom Staate den Unternehmungen im Fündigkeitsfall gegebenen Erdölgewinnungsfelder nicht – wie beim Bergwerkseigentum auf Kohle, Kali oder andere Minerale – grundstücksgleiche Rechte darstellen und daher keine Grundlage für den Realkredit bilden können.

Mit Ausnahme einiger Flächen im hannoverschen und holsteinischen Raum, wo Abbauverträge mit den Grundeigentümern – teilweise mit dinglicher Sicherung durch beschränkt persönliche Dienstbarkeiten aus früheren Zeiten her aufrechterhalten wurden, ist das Erdöi in ganz Deutschland dem Staat vorbehalten. Dieser vergibt Auf schlußkonzessionen an Unternehmungen, die eine Gewähr dafür bieten, daß sie die ihnen auferlegten Aufschluß- und Förderverpflichtungen erfüllen. Innerhalb dieser werden sodann Erdölgewinnungsfelder von 400 ha je fündiger Aufschlußbohrung verliehen. Der Staat erhält einen Förderzins von 5 v. H. aus der Bruttoförderung, nimmt also unbeschadet seiner sonstigen Steuereinnahmen an dem Erfolg der Erdölgewinnung risikolos teil. Die Erdölgesetzgebung hat dem Staat fernerhin ein weitgehendes Aufsichtsrecht über die Betriebsführung der Erdölgesellschaften und deren Arbeitsintensität gesichert.