Der Nordwestdeutsche Rundfunk hat Pech gehabt. „Die große Masche“ hieß sein Hörspiel um Fußball, Geld und Liebe; es hat nicht die Zustimmung der Sportleute gefunden, obwohl seine Tendenz von allen gebilligt werden müßte und sollte. Denn hier versuchte ein Autor – Otto Heinz Jahn –, der selbst von Jugend an ein begeisterter Fußballer ist, einmal auf eine ganz andere Art und Weise das große Problem der Vertragsspieler zu behandeln und erzieherisch auf die Fußballjugend von heute einzuwirken. Er wollte warnen vor den Gefahren, die solche Geschäfte mit Idealen (und mit Idealisten) zwangsläufig mit sich bringen müssen, er wollte den „Sport“ von heute zurückführen zum wirklichen Sport, die Lüge von den Spielfeldern verbannen, und den Menschen klarmachen, daß es anständiger ist, sein Geld durch Arbeit statt im und durch den Fußballtoto zu verdienen.

Das mißlang. Der nichtsachverständige Hörer müßte den Eindruck gewinnen, als ob sich bei den Oberligavereinen unseres Deutschen Fußball-Bundes nur die Hefe der sportlichen Menschheit angesammelt hätte, während man doch nicht vergessen darf, daß diese Vereinigung immerhin 54 000 reinste Amateurmannschaften mit hindurchschleppt und schließlich 1,4 Millionen Mitglieder sich in seinen 13 000 Vereinen sammelten, denen kein vernünftiger Mensch einen Vorwurf machen könnte. Die 0,78 v. H. Spieler mit Verträgen, unter denen sich vielleicht ein paar. Dutzend „Versager“ befinden mögen, könnte man ihnen nicht ankreiden, und so wäre diese „große Masche“ ein untauglicher Versuch am untauglichen Objekt.

Dennoch... „namen est laudanda voluntas!“ Die Reaktion nun war bestimmt falsch. Ein großer Hamburger Sportverein – der HSV – wurde ganz besonders böse, und frei nach dem Motto: „Haust du meine Kinder, so hau ich deine Kinder“ erklärte er kurz und bündig seinen Sportplatz für die Sportsprecher des NWDR out of bounds, so daß wir zu Ostern wohl das seltsame Schauspiel erleben werden, daß die österreichische Sendegruppe „Rot-Weiß-Rot“ über das bedeutende internationale Turnier mit Wiener und Belgrader Mannschaften berichten kann, Hamburg aber zu schweigen hat. Bei allem Verständnis für die beleidigte Volks- und Fußballerseele, so weit hätte man nun doch nicht gehen sollen. Eine, ruhige Aussprache am Runden Tisch wird sicherlich die verzwickte Situation bald klären.

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In anderen Fußball Ländern scheint es auch nicht gerade wie in einem Nonnenkloster zuzugehen. Anders ist die Nachricht aus Madrid nicht zu erklären, daß einige spanische Vereine beschlossen haben, Geistliche in ihre Trainingsabteilungen aufzunehmen, deren einzige Aufgabe es sein wird, die Fußballer zu betreten und sich ihrer „moralischen und religiösen Ausbildung“ zu widmen. Der Spanische Fußball-Verband hat diese Maßnahme sehr freudig begrüßt und verspricht sich für die gesamte Entwicklung des sportlichen Lebens auf der Iberischen Halbinsel das beste. Wenn man sich schon zu einer moralischen Aufrüstung entschließt, nützen halbe Maßnahmen nichts, dann muß man schon aufs Ganze gehen und das Übel an der Wurzel packen. Wie Spanien es jetzt vorhat.

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Von einer „großen Masche“ können mit aller Berechtigung unsere Sportschützen und Jäger sprechen. Die britische Besatzungsmacht hatihnen noch rechtzeitig zu den Feiertagen ein wirklich schönes Osterei geschenkt. Alle den Deutschen nach der Kapitulation abgenommenen Sport- und Jagdwaffen sollen ihren ursprünglichen Eigentümern zurück gesehen werden. So dürfen sich also unsere Jäger auf die kommende Jagdzeit wieder von Herzen freuen.