„Wenn sie nicht mit einer Klausel,

mit einer Klausel sich salvieren können...“

Schiller, Piccolomini

Hier einige Stichworte zur leidigen Eisenpreisfrage, kurz notiert aus der Unterhaltung mit einem unserer besten Fachleute aus dem Lager der „Verarbeiter“:

Natürlich haben die Vertreter des marktwirtschaftlichen Prinzips recht, wenn sie sagen, daß der „freie Preis“ die ideale Lösung wäre. Nur: der freie – höhere – Preis kann in unserer derzeitigen Situation leider nicht, nach dem Motto „Hohe Preise haben lange Arme“, ein größeres Angebot hervorzaubern, weder durch Importe, da keine kurzfristig zu erfüllenden Offerten vorliegen, noch durch, vermehrte Inlandproduktion, da die bestehenden Anlagen voll ausgelastet sind, die im Bau befindlichen erst im Herbst mit Lieferungen beginnen können. Also wirkt der höhere Preis, nur im Sinne einer Ausschaltung der Nachfrage – der „Grenznachfrage“, was auch wörtlich zu verstehen ist, weil (neben den kleineren) vor allem die in den Grenzgebieten (Schleswig-Holstein, Oberpfalz) liegenden Betriebe die Leidtragenden wären. Außerdem würden die großen Investitionsvorhaben der Engpaßbereiche, die heute überwiegend zum „amtlichen“ Preis beliefert werden (sich also nicht einen „Mischpreis“ aus regulären, „grauen“ und „schwarzen“ Preisen rechnen), benachteiligt: Bergbau und Energiewirtschaft, wie auch vieles, was da sonst noch an mühsam finanzierten Investitionen „öffentlichen Interesses“ läuft. Das eigentliche Problem aber ist der Export von „Anlagen“, also Investitionsgütern mit rund einem Drittel laufen die Kontrakte zu Festpreisen, für rund zwei Drittel gilt die Gleitpreisklausel. Kommt es nun zur Preisfreigabe, so ist der gesamte Export dieser Art ein Verlustgeschäft, weil man sich dann nicht auf die (den „amtlichen Preis“ als Basis habende) Gleitklausel berufen, sich, nicht damit „salvieren“ kann ...

Weiter: die Annahme, daß wir Verarbeiter „normale“ Vorräte, für zwei bis drei Monate ausreichend, liegen hätten, trifft, nicht zu; unsere Vorräte liegen im Schnitt um ein Drittel unter dem Normalstand. Ebensowenig trifft auch die weitere Annahme von Prof. Erhard zu, wonach die Erzeugung „nur geringfügig“ – nämlich mit 4 bis 5 v. H. – „hinter dem jetzigen Bedarf zurückbleibt“: nicht der Gesamtdurchschnitt ist da entscheidend, sondern der „engste Querschnitt“, und der gibt, bei Grob-, Mittel- und Feinblechen und noch einigen anderen Walzerzeugnissen, leider viel weniger her, als gebraucht wird ... Weiterhin ist nicht einzusehen, warum wir gerade jetzt, wo ein Nachlassen der Stahl- und Eisenpreise am Weltmarkt beginnt, mit unserem Export auf dem „Verarbeitungsgebiet“ erheblich teurer werden sollten – auch, wenn wirklich die Aussicht besteht, daß wir in zwei oder drei Monaten bereits wieder zu voll konkurrenzfähigen Preisen kommen können. Da sollte man eben doch versuchen, diesen Zeitraum noch mit einer Notkonstruktion zu überbrücken! Aber vielleicht kommen wir nun über eine „echte“ Marktregelung bei Schrott^ die nur die alten „Vertragsfirmen“ im Geschäft bleiben läßt und die „neuen“ spekulativ arbeitenden Schrotthändler allmählich aufs Trockene setzt, zu einer solchen Lösung ... n. f.