„... mein langjähriges Rheumaleiden ist. total behoben, und was mich und alle meine Bekannten außerordentlich überraschte, ich kann wieder ohne Brille lesen!“ Mit diesen Worten berichtet ein Patient über den Erfolg der „Brut-Trinkei-Kur, Methode Prof. Carrel“ die jetzt überall als eine Verjüngungskur angepriesen wird. Sie besteht darin, daß der Patient dreißig Tage lang täglich ein befruchtetes Hühnerei trinkt, das genau neun Tage lang bebrütet ist. Die Geschäftsleute und Hühnerfarmbesitzer, die sich inzwischen der Sache bemächtigt haben, zitieren den Namen des Nobelpreisträgers Prof. Carrel deshalb, weil er den Inhalt angebrüteter Hühnereier bei Versuchen verwandte, ein Froschherz eine Zeitlang am Leben und in Tätigkeit zu erhalten. Die darin enthaltenen Embryosubstanzen nannte Carrel „Trephone“, und „Trephon-Eier“ nennen die Verjüngungsspezialisten jetzt ihre neun Tage bebrüteten Eier, die sie für eine D-Mark das Stück feilbieten. Wer also Gaumen und Magen dazu hat, solche Eier zu schlucken, die man normalerweise am Frühstückstisch mit Ekel zurückweisen würde und die im Sinne des Lebensmittelgesetzes „verdorben“ sind, der mag seine, allerdings noch recht ungeprüfte Chance wahrnehmen. Die Chinesen essen, vielleicht aus den gleichen Gründen, seit jeher schon faule Eier.

Bemerkenswert scheint uns die Bereitwilligkeit zu sein, mit der die Menschen unserer Zeit an das Möglichwerden des Unmöglichen glauben und hoffen, man werde das Lebenselixier doch noch finden, nach dem Ärzte, Chemiker und Scharlatane in düsteren Jahrhunderten gesucht haben, und das Krankheit und Tod als einen menschlichen Irrtum entlarven sollte. Vielleicht ist es aber gerade der Siegeszug der rationalen Technik, der auch in der Medizin die Sehnsucht nach dem Irrealen nährt und aufrechthält. F.