Mannheim, Anfang April

Nicht sehr erfolgreich verlief die Premiere von Richard Billingers „Ein Tag wie alle“ am Nationaltheater Mannheim. Lag’s am Stoff, der – wieder einmal – aus dem bayrisch-österreichischen Volksleben entnommen war? Oder lag’s daran, daß alles, was bei Billinger früher balladische Härte, Kampf zwischen Mensch und Erde, Einbruch der Technik in das bäuerliche Sein und die gesunde Kraft der ewigen Urnatur war, hier ins Kientopphafte abglitt? Und dazu in einem konstruierten Deutsch heruntergesprochen wurde?

Die Geschichte der Hanna Amon, der älteren Schwester des Bauern vom Amon-Hof, hatte vor einiger Zeit ein Filmdrehbuch abgegeben und ist erst nachträglich – ohne einschneidende Veränderungen – dramatisiert. Der junge Thomas Amon geht einer reichen Verführerin ins Garn, wird von ihr – o Gipfel aller Lasterhaftigkeit! – nach Frankreich mitgenommen, und als er reichlich ausgebrannt wieder zurückkommt, stellt ihm diese Frau Duschl trotzdem Weiter nach. Zuletzt will er mit dem Messer auf sie los, aber seine Schwester ergreift flugs den Revolver und knallt die Frau mit vier lauten und anscheinend wohlgezielten Schüssen irgendwo in der Kulisse über den Haufen. Als die Schwester Hanna Amon nach sieben Jahren aus dem Zuchthaus zurückkehrt, erfährt man von dem in sie verliebten Tierarzt, daß ihr – so heißt es wörtlich – „Weg, der stets ein steiler war, sie zu einem Gipfel führen wird“, und mit der ausdrücklichen Bestätigung „Mein Weg wird ein harter und weiter sein“ schreitet Hanna Amon still und bedeutungsschwer, an der allegorisch stehengebliebenen Uhr vorbei, in eine ungewisse Ferne von dannen.

Der Regisseur Paul Riedy und die Darsteller sind immerhin bemüht gewesen, das wohl eher für ein Bauerntheater oder ein Liebhaber-Ensemble geeignete Stück doch noch mit Bühnenwirkung und mit echtem Leben zu erfüllen.

U. S. E.