Zürich, im April

In der Reihe seiner experimentellen Montag-Veranstaltungen brachte das Stadttheater Zürich das Ballett Adam Zero des englischen Komponisten Arthur Bliss heraus. Es will ein Stück getanzter Theologie sein: die Schöpfungsgeschichte des Menschen, verdeutlicht in einer Ballett-Inszenierung. Gottvater tritt als der Ballettmeister auf, von Bühnenbildnerin, Kostümschneiderin und Garderobiere als den drei guten Engeln begleitet. Die Bühne, zu Beginn noch dunkel und leer, wird mit Adams fortschreitendem Lebensweg langsam erhellt, füllt sich allmählich mit den Bestandteilen der Szenerie, bis seine Welt zuletzt doch wieder zusammenstürzt und bei seinem Tode wieder alles im Dunkeln liegt. Doch eine junge Generation, in der „zweiten Besetzung“ verkörpert, tritt an seine Stelle – und das Spiel kann von neuem beginnen.

Bliss, 1891 geboren, hatte dieses Werk vor einigen Jahren für das Sadler’s Wells Ballett komponiert. Bisweilen kommt es einem wie eine musikalische Anthologie der letzten eineinhalb Jahrhunderte vor, doch gelangt er immer wieder zu starken expressiven Momenten, die der tänzerischen Ausdeutung entgegenkommen und hier von der Choreographie Jaroslav Bergers auch bis ins Letzte genützt worden sind. Das Bühnenbild, von Hans Röthlisberger entworfen, gewann eine eigene dramaturgische Bedeutung.

Zur Eröffnung des Abends hatte es noch die deutschsprachige Erstaufführung der Kurzoper „Die Komödie auf der Brücke“ von Bohuslaw Martina gegeben: ein schwankhaft-liebenswürdiges Werkchen, das im Krieg im Niemandsland zwischen den feindlichen Frontlinien spielt. Auf der kleinen Brücke, die die beiden Heere trennt, finden sich allerlei Dorfleute zusammen, im Kugelregen und in der Todesangst prallen ihre Leidenschaften aufeinander, und erst der Sieg der einen Partei macht allem Diskutieren ein Ende. Martinu hat das teils mit entfesselten martialischen Geräuschen, teils mit melodiös eingängiger böhmischer Volksmusik ausgedrückt. Unter der einfallsreichen Regie von Direktor Hans Zimmermann und unter der musikalischen Leitung von Victor Reinshagen gab es einen schönen Erfolg. Ulrich Seelmann-Eggebert