Während der deutsche Warenaustausch mitIndien, diesem klassischen Exportland, bisher stets mit beträchtlichen Einfuhrüberschüssen abschloß – im besten Jahr (1935) waren es 10 v. H., 1950 30,4 v. H. –, hat sich das Bild 1951 nun grundlegend gewandelt. Die deutschen Importe im letzten Berichtsjahr stiegen nur unwesentlich von 24,7 auf 28,6 Mill. 8, die Ausfuhr der Bundesrepublik (einschl. Westberlin) nach Indien erhöhte sich jedoch von 17,6 auf 51 Mill. $. Damit ist Indien zum ersten Male ein Devisenbringer für Deutschland geworden, und in die Spitzengruppe der deutschen Orientkunden gerückt. Die Gründe hierfür sind vor allem in Indiens Fünf jahresplan zu suchen, der die Wirtschaftsstruktur des Landes durch die Schaffung einer eigenen Klein- und Mittelindustrie ändern will. Der Fünfjahresplan weist auch die Richtung, in der die deutschen Aussichten zu suchen sind, nämlich nicht nur in der Konsumwarenhausfuhr, sondern zunehmend im Export von Investitionsgütern für Indiens werdende Industrie. Die indische Konsumgütererzeugung kann, wenn die Planziffern erreicht werden, in das herkömmliche Bild der deutschen Indienexporte, worin Teerfarbstoffe, gefolgt von Eisenwaren, Werkzeugen und Messerschmiedewaren, an der Spitze stehen, bald beträchtliche Verschiebungen bringen.

Das bis 31. Oktober 1952 gültige Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Indien, das deutscherseits von Ministerialrat Dr. A. – H. van Scherpenberg und für Indien durch den indischen Gesandten in Bonn, Prem Kiishen, unterzeichnet wurde, will der Vorläufer zu einem klassischen Handelsvertrag, einem „Treaty of Commerce, Friendship and Navigation“ sein. Es sieht die freie Einfuhr deutscher Waren nach Indien vor und liberalisiert in einer Liste A 33 Positionen indischer Erzeugnisse für den Import in die Bundesrepublik. Die wesentlichen dieser Waren sind: Borsten, Haare, Rohdrogen, Schellack, Gummen und Harze, Tabak, Glimmer, Eisen-, Mangan- und Zinkerze, Ziegen- und Schaffelle, Baumwollabfälle, Kokosgarn, Schuhe mit Holzsohlen, Schuhzeugund Horn. Eine Liste B stellt die noch einer deutschen Einfuhrkontingentierung unterworfenen indischen Güter zusammen; sie enthält (Kontingente in Mill. $): Gebrochene Knochen und, Leimleder1,0, ätherische Öle 0,4, Baumwolle 3,0, Baumwollgarne 0,45, Baumwollgewebe, ungebleicht, 0,45, Rohbaumwolle (Teppichwolle) 0,4, Sisal p. m., Linters 0,7, Kokosbastmatten 0,05, Jute 0,3, Spitzenwaren 0,02, Wolle und Teppiche 0,01, Palmyra-Fasern 0,4, Kapok 0,25, nichtliberalisierte Erze und Kupfer und Kupferlegierungsrückstände, Aschen, -Schlacken, Metallschrott, Metallegierungen 1,0, Büffelhäute p.m., Kaffee 0,4, Ölsaaten p.m., Erdnußöl 2,52, Wurstdärme 0,2, Gewürze 5,0, Tee 5,0, Holz 0,15, rohe Vogelfedern 0,02, Perlmutter 0,05, kleine weiße Schleifperlen, ungeschliffen, Edel- und Halbedelsteine 0,04, wilde Tiere 0,03, Messekontingente für die Industrie 0,05 und für die Landwirtschaft 0,1.

Ein Absatz des Abkommens befaßt sich mit dem „Technischen Beistand den die Bundesrepublik der indischen Industrie gewähren soll; die indischen Partner legen auf diesen Punkt besonderen Wert. Es wird dabei an die Ausbildung indischer Staatsangehöriger an deutschen Universitäten, Technischen Hochschulen und bei deutschen Firmen gedacht. Die Überfüllung unserer Hochschulen stellt sich der ausreichenden Realisierung dieser Absicht jedoch noch als Hindernis entgegen. Ferner ist der Einsatz deutschen technischen Personals im Zusammenhang mit großen Industrie- und Bauaufträgen in Indien vorgesehen, wozu großzügige Vereinbarungen über den Transfer der Arbeitsentgelte in die Heimat getroffen wurden.

Über das Jahresvolumen des künftigen deutschindischen Warenaustausches äußerte sich der indische Handelsattache Khesavan recht optimistisch. Er hofft, daß auf beiden Seiten ein Wert von je 100 Mill. $ erreicht, daß heißt der deutsche Export nach Indien verdoppelt und die Einfuhr in die Bundesrepublik etwa vervierfacht wird. Dr. van Scherpenberg allerdings teilt diese Zuversicht nicht ganz und betrachtet schon die 50-Mill.-$-Grenze als ein günstiges Resultat für die Bundesrepublik. L. v. M.