Der Kampf gegen die Erhöhung der Altbaumieten ist bisher geführt worden, ohne daßdie Gegner der Mieterhöhung ihre Argumente sachlich fundiert hätten. Das Bundesstatistische Amt hat nun im vergangenen Monat die Ergebnisse der Wohnungszählung vom September 1950 über das Mietaufkommen und die Miethöhe in der Bundesrepublik veröffentlicht. Aus diesem amtlichen Zahlenwerk geht hervor, daß es im Bundesgebiet 4,68 Mill. reine Mietwohnungen, das heißt solche Wohnungen gibt, die nur zu Wohnzwecken vermietet werden. Das Mietaufkommen dieser Wohnungen beträgt 172 Mill. DM monatlich oder 2,06 Mrd. DM jährlich.

Von diesen „reinen Mietwohnungen“ sind 55 bis 60 v. H. Altwohnungen, die von der Mieterhöhung betroffen werden. Da die Neubaumieten erheblich höher sind als die Altmieten, macht das Altmietenaufkommen noch nicht die Hälfte des Gesamtmietaufkommens im Bundesgebiet aus, also höchstens 1 Mrd. DM, ebensoviel wie der jährliche Totoumsatz. Eine Altmietenerhöhung von 10 V. H. erfordert einen zusätzlichen Mietaufwand von nur 100 Mill. DM insgesamt. Der einzelne Haushalt wird im Durchschnitt durch eine zehnprozentige Altmietenangleichung monatlich zusätzlich mit noch nicht 3 DM (wöchentlich mit 0,70 DM) belastet.

Rund 40 v. H. der Bevölkerung, die in Altbauten wohnen, werden von einer Mieterhöhung überhaupt nicht betroffen, weil sie Hauseigentümer sind und schon längst einen höheren Aufwand für Wohnung in Form höherer Kosten und Steuern für ihr Eigenheim aufbringen müssen. Nur am Rande sei vermerkt, daß zwei Drittel dieser Hauseigentümer Arbeiter, Angestellte, Beamte, Sozialrentner und Pensionäre sind, sowie Angehörige des selbständigen Mittelstandes. Nimmt man an, daß 20 v. H. der Bevölkerung minderbemittelt sind (mit diesem Hundertsatz rechnen die Sozialpolitiker), dann würden – die staatlichen Mietzuschüsse, um für die sozial Bedürftigen die Mietangleichung aufzufangen, etwa 20 Mill. DM jährlich betragen müssen. Demgegenüber erfordern die Subventionen für das Konsumbrot und die Zuckerverbilligung jährlich mehrere hundert Mill. DM.

Die Gegner der Mietangleichung behaupten seit Monaten, eine Mieterhöhung sei sozial untragbar, sie setze die Lohn-Preis-Spirale in Gang und die öffentliche Hand könne unmöglich Mietzuschüsse aufbringen. Die genannte Veröffentlichung des Bundesstatistischen Amtes beweist die Haltlosigkeit dieser Behauptungen. 100 Mill. DM Mieterhöhung können bei einem mehrere Milliarden betragenden Lohn- und sonstigen Einkommen der Betroffenen nicht die Lohn-Preis-Spirale auslösen – jedenfalls nicht durch ökonomische, höchstens durch politische Auslösung. Auch ist es naiv zu behaupten, eine Mietsteigerung in Höhe eines Zehntels der Totoumsätze des Durchschnittshaushaltes sei sozial untragbar, und Mietzuschüsse von weniger als einem Zehntel der staatlichen Konsumbrot- und Zuckerverbilligung könne, die öffentliche Hand nicht tragen. Asta Hampe