Nach einer siebenstündigen außenpolitischen Debatte nahm der Bundestag einen Antrag der Regierungsparteien und einen Absatz aus einem sozialdemokratischen Antrag an, in denen die deutsche Einheit als „oberstes Ziel der deutschen Politik“ bezeichnet wird. Die Bundesregierung wurde ersucht, bei den Besatzungsnächten auf die Abhaltung freier Wahlen zu einer gesamtdeutschen Nationalversammlung unter internationaler Garantie hinzuwirken. Gleichzeitig forderte der Bundestag entsprechend dem Antrag der Regierungsparteien gegen die Stimmen der Opposition, daß die Verhandlungen über den Generalvertrag und den deutschen Verteidigungsbeitrag fortgesetzt werden sollten.

Die von den Sozialdemokraten gewünschte Saardebatte wurde auf Beschluß der Regierungs-Parteien vertagt. Der CDU-Abgeordnete – von Brentano erklärte, in Paris seien keine bildenden Vereinbarungen getroffen worden. Auch nach den Osterferien sei noch Zeit genug, über die Saargespräche zwischen dem Bundeskanzler und Außenminister Schuman zu diskutieren.

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General Eisenhower hat dem ständigen Militärkomitee der NATO seinen Jahresbericht vorgelegt. Dem Bericht kommt, da der Verfasser Präsidentschaftskandidat ist, die Bedeutung eines außenpolitischen Programms zu. Eisenhower in ein „Internationalist“, der sich zu einem kollektiven Widerstand gegen jede kommunistische Aggression bekennt, wobei er Westeuropa als die wichtigste Verteidigungslinie betrachtet. Die Sicherheit Westeuropas hält der General aber erst dann für gegeben, wenn Westdeutschland als Eckpfeiler jedes europäischen Verteidigungssystems aus freien Stücken der Gemeinschaft der westlichen Nationen angehört. Das politische Ziel der europäischen Mitgliedstaaten der NATO müsse ihre Vereinigung und schließlich die europäische Föderation sein. Es wäre verhängnisvoll anzunehmen, daß die amerikanischen Steuerzahler weiterhin Geld und Material nach Europa schicken würden, wenn sich nicht sichtbare Fortschritte in der Zusammenarbeit ergeben.

Daß Präsident Truman auf eine Präsidentschaftskandidatur verzichtete, ohne gleichzeitig einen Nachfolger vorzuschlagen, hat in der demokratischen Partei hinsichtlich der Bewerbungen für eine Nominierung als offizieller Präsidentschaftskandidat die Wirkung eines free for all ausgelöst. Neben dem betagten Vize-Präsidenten Alben W. Barkley und neben Averell Harriman stehen die Namen von mehreren Gouverneuren und fünf Senatoren auf der Bewerberliste, die im Augenblick von dem Senator Kefauver auf Grund seiner Erfolge bei den Vorwahlen geführt wird. Bei den Republikanern hat Taft curch seine Erfolge in Wisconsin und Nebraska seine Niederlagen wieder wettgemacht. Von den bisher gewählten 199 Delegierten des Parteikonventes geben 107 ihre Stimmen für Taft und 47 für Eisenhower; der Rest verteilt sich auf Stassen, Warren und McArthur. Da aber die Mehrzahl der 1205 Delegierten nicht gewählt, sondern von der Parteimaschine bestimmt wird, hat derjenige Kandidat einen Vorteil, der den besten Kontakt mit der Parteiführung in den einzelnen Staaten hat. Das ist aber im Augenblick Taft! Eisenhower kann dieses Handikap nur beseitigen, wenn er beschleunigt in die Vereinigten Staaten zurückkehrt. Deshalb hat er inzwischen in einem Schreiben an den amerikanischen Verteidigungsminister LoVett um seine Entlassung gebeten.

Dem Attentatsversuch auf den Bundeskanzler folgte einige Tage später der Versuch eines Sprengstoffanschlags mittels eines Briefes auf den Leiter der deutschen Delegation bei den deutschisraelischen Wiedergutmachungsverhandlungen, Professor Böhm. In Paris hat die Polizei vier Staatsbürger Israels, unter ihnen den Parlamentsabgeordneten Schostak, ausgewiesen, die der rechtsradikalen „Freiheitsbewegung“, einer Nachfolgeorganisation der früheren Untergrundbewegung Irgun Zvai Leumi, angehören. Ein Sprecher der französischen Polizei lehnte es ab, Berichte zu bestätigen, nach denen die Ausweisung mit den jüngsten Attentatsversuchen in München und Den Haag zusammenhängen sollen.

Die israelisch-deutschen Wiedergutmachungsverhandlungen in Wassenaar bei Den Haag sind abgebrochen worden, nachdem die deutsche Delegation Wiedergutmachungszahlungen in Höhe von 3 Milliarden DM angeboten hatten.