Ein wirklich gutes, ein klassisches Jugendbuch wird von allen Vierzehnjährigen überall jederzeit gelesen. Robinson, Lederstrumpf, Sigismund König, Old Shatterhand haben diesen Grad von Unsterblichkeit erreicht. Warum könnten sie das? Sie zeigten das „Abenteuer“ – aber im großen Sinn der mittelalterlichen aventiure: als die Weltfahrt des Einzelnen und seine Bewährung in tausend Prüfungen. Ozean und Prärie, Kokospalmen und Urwald gehören dazu. Aber auch der farbige Mensch, der braune, der rote, der schwarze, als Freund und als Gegner.

Nur ein Genie der Vorspiegelung wie Karl May konnte die Abenteuer seiner Helden am Schreibtisch erfinden. Defoe, Cooper, Marryat kannten die Schauplätze ihrer Romane und wußten, wie die Eingeborenen fühlen. Solch ein Zusammentreffen von völkerkundlicher Erfahrung und Fabuliergabe ist selten.

Vollkommene Jugendbücher sind eine Rarität. Aber die Nachfrage wird von Jahr zu Jahr größer, seitdem die Leselust sich zur Lesesucht gesteigert hat. Das Angebot kann nicht nachkommen, und so ergibt sich die vielberufene Krise des deutschen Jugendbuches mit ihren Symptomen: den Groschen Schundromanen und deren sentimentalen Gegenstücken.

Seit 1910 gibt es ein englisches Buch, das alle Merkmale des Klassischen an sich hat: John Buchans „Prester John“, das nun, spät aber nicht zu spät eine Lücke füllend, unter dem Titel „Trommeln über Transvaal“ der deutschen Jugend vorgelegt wird (Verlag Aschendorff, Münster/Westf., 232 S., Leinen 8 DM). Der Schotte Buchan war hoher Regierungsbeamter in Südafrika und hatte mit dem großen Kaffernaufstand von 1906, dem Thema seines Romans, als Mitglied des Secret Service zu tun. Er kannte die mystisch-magische Messiashoffnung der Schwarzen und war Zeuge ihrer Vorbereitungen. Das gibt der beklemmend spannenden Handlung von dem schwarzen Priesterkönig John Laputa und seinem Gegner und Bewunderer, dem schottischen blutjungen Storekeeper, einen großartig realistischen Hintergrund. Der junge Davie hat die Eigenwilligkeit des Robinson Crusoe und die moralische Sicherheit eines „Waldgängers“ unserer Tage. Das macht ihn zum echten Helden für die Vierzehnjährigen von heute und gibt Buchans Buch die

Dauerhaftigkeit eines Jugendklassikers. Wie immer bei einem solchen versteht es sich, daß auch die Vierzigjährigen es mit Freude und Gewinn lesen oder wiederlesen werden. E. V.

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Dieser Standard wird von den wenigsten erreicht. Vom Abenteuer fassen die meisten Jugendbücher nur das bunte und Lockende auf, nicht aber die Stationen der Bewährung. Der kritisch Betrachtende kann schon froh sein, wenn das Exotische anschaulich gegeben ist – wie in dem amerikanischen Jungenroman